Gemeindeversammlung

Fusionierte Kirchengemeinde Wohltorf-Aumühle unter Sparzwang

, von Stephanie Rutke

Der Aumühler Gemeindesaal (l.), der zum Ensemble rund um die Kirche gehört, ist das größte Sorgenkind der neuen Kirchengemeinde Wohltorf-Aumühle.

Wohltorf/Aumühle – Im Rahmen der Gemeindeversammlung der seit Jahresbeginn fusionierten Kirchengemeinden am 12. Februar gab es für die rund 120 Anwesenden Neuigkeiten, die auf wenig Begeisterung stießen: Um eine Überschuldung der neuen Kirchengemeinde Wohltorf-Aumühle zu verhindern, muss kräftig gespart werden. Ein erster Beschluss dazu wurde bereits gefasst.

Nach 15 Monaten intensiver Beratungen informierten Henning von Stechow, Vorsitzender des Kirchengemeinderates (KGR) und die Ausschuss-Vorsitzenden über die aktuelle Situation und geplante Maßnahmen zu Finanzlage und Immobilienmanagement. Als Gäste waren Propst Philip Graffam und Markus Schlanert, stellvertretender Abteilungsleiter aus dem Fachbereich Liegenschaften des Kirchenkreises, eingeladen.

Die gemütlichen Zeiten mit vielen Gemeindemitgliedern und vollen Kassen für die vormals zwei Kirchengemeinden sind vorbei. Die Zahl der Mitglieder ist seit 2020 von 2731 auf aktuell 2305 gesunken. Entsprechend geringer fallen die Zuwendungen des Kirchenkreises aus.

Bisher gab es in Aumühle und Wohltorf jeweils eine Kirchengemeinde mit eigener Kirche, eigenem Pastorat, eigenem Gemeindehaus und einen gemeinsamen Friedhof in Aumühle. Jede Gemeinde hatte ihren Pastor und ihre Kirchenmusikerin. Das ist Geschichte. In Wohltorf hat Pastor René Enzenauer im vergangenen Jahr die Gemeinde verlassen, in Aumühle ist die Pastorenstelle schon länger nicht besetzt. Aktuell sind zwei Vertretungspastorinnen und Prädikanten im Einsatz. Die Aumühler Kirchenmusikerin ist nach Mölln gewechselt und Kirchenmusikdirektorin Andrea Wiese ist jetzt alleine für die neue fusionierte Gemeinde zuständig.

Für die Zukunft stellt sich die Frage, was sich die Kirchengemeinde noch leisten kann. Henning von Stechow gab Einblicke in den Haushalt der Kirchengemeinde.

Mit der Zuwendung des Kirchenkreises in Höhe von 39,90 Euro pro Gemeindemitglied beläuft sich der Etat bei aktuell rund 2.300 Gemeindemitgliedern auf knapp 92.000 Euro. Dazu kommen weitere Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung verschiedener Liegenschaften, Einnahmen im Gemeindehaus und durch den Mobilfunkmast im Kirchturm Wohltorf und die Kollekten.

Für das laufende Jahr stehen 405.000 Euro als Einnahme im Haushalt. Dem stehen allerdings Ausgaben in Höhe von 485.000 Euro gegenüber – ein Defizit von 80.000 Euro. Für das Jahr 2027 sieht die Prognose noch schlechter aus: Dann wird ein Defizit in Höhe von 94.000 Euro erwartet.

Ziel des Kirchengemeinderates sei es, zu versuchen, im Rahmen seiner Möglichkeiten den Haushalt zu sanieren. »Wir müssen sparen«, so von Stechow, »denn wir wollen verhindern, dass wir überschuldet sein werden.«

Drastische Sparmaßnahmen und die Hoffnung auf Ehrenamt und Eigeninitiative sind die Folgen: Die Aumühler Küsterin wird nur noch bis Mitte des Jahres bezahlt, ebenso der Betreuer der Internetseite. Damit werden 10.000 Euro eingespart. Die Arbeiten sollen künftig von Ehrenamtlichen übernommen werden, genauso wie die Hausmeisterarbeiten. Für größere Aktionen könnten nach dem Motto »ora et labora« Aktionstage mit Freiwilligen veranstaltet werden. Blumenschmuck für die Kirchen soll aus den Gärten kommen und nicht mehr gekauft werden. »Wir wollen uns den Herausforderungen stellen«, war der Tenor bei den Gemeindemitgliedern, die dem Kirchengemeinderat Hilfe in alle Richtungen signalisierten.

Ein weiterer Baustein könnten neue Spendenaktionen sein. »Die Spendenbereitschaft hier in der Gemeinde ist hoch, ohne die großzügigen Spender sähe es ganz anders aus«, so von Stechow. »Aber Spender sollen das strukturelle Defizit nicht ausgleichen«, betonte er.

Einer der großen Kostenfaktoren sind die alten Gebäude, deren Unterhalt immer teurer wird. »Alle unsere Gebäude sind defizitär und wir können in der aktuellen Lage keine Rücklagen bilden«, erklärte Britta Iwersen, Mitglied des Bauausschusses. Zur Veranschaulichung wurde eine Grafik präsentiert, auf der die verschiedenen Liegenschaften eingeordnet sind. Gut schneiden dabei lediglich das 2021 sanierte Wohltorfer Pastorat und der Neubau in Wohltorf mit Kindertagesstätte und Saal, der allerdings im Eigentum der politischen Gemeinde und nicht der Kirche ist, ab.

Schlusslicht und Sorgenkind ist der Aumühler Gemeindesaal (Baujahr 1957, erweitert um einen Anbau 1997), der in schlechtem Zustand und hochdefizitär ist. »Das Defizit beläuft sich auf 45.000 Euro pro Jahr«, so der Vorsitzende. Allein die Heizung verschlinge 25.000 Euro pro Jahr. Deshalb hat der KGR einen drastischen Beschluss gefasst: Ab 1. April 2026 soll das Gemeindehaus betriebskostenneutral geführt werden. Das bedeutet: Geheizt wird nur noch bei Veranstaltungen und die Reinigung erfolgt in Eigenregie. Nutzer wie zum Beispiel die Chöre sollen pro Stunde eine Miete zahlen, die sich auf 40 bis 50 Euro belaufen könnte. Die anwesenden Mitglieder der verschiedenen Chöre machten deutlich, dass sie für das Aumühler Gemeindehaus kämpfen wollen, das für sie kein Luxus, sondern ihre »Heimat« ist.

»Wir haben keine andere Option gefunden als den Beschluss, den wir gefasst haben«, betonte von Stechow mehrmals. Zusätzlich zu den hohen Betriebskosten für das Gebäude stehen Sanierungskosten in Höhe von 750.000 bis 1,5 Millionen Euro im Raum. Der Vorsitzende verwies auf vorhandene Räume in den anderen Liegenschaften, die genutzt werden können.

Ein Verkauf des Wohltorfer Pastorates, um mit dem Erlös den Gemeindesaal in Aumühle zu finanzieren ist aufgrund der baurechtlichen Nutzung nicht möglich, da das Objekt zweckgebunden ist. Das Ansverushaus, eine weitere Liegenschaft der Kirchengemeinde, ist langfristig an die Freie Demokratische Schule vermietet.

»Der Gebäudebestand der beiden Gemeinden passt nicht mehr zur aktuellen Mitgliederzahl,« so das Fazit von Markus Schlanert. Auch Propst Graffam legte nach: »Der Kirchenkreis muss ebenfalls sparen und verzichtet lieber auf Gebäude als auf Mitarbeiter.«

Henning von Stechow bat um Verständnis für die Entscheidung des KGR. Er freute sich, dass bei der Versammlung alle Beteiligten miteinander im Gespräch waren und betonte, dass es ein schwieriger Prozess sei und der KGR sich über jede gute Idee, jede Spende und jeden Verbesserungsvorschlag freue. Er lud alle Interessierten zur nächsten KGR-Sitzung am 4. März um 19.30 Uhr ein. Wo sie stattfindet, wird auf der Homepage www.kirche-wohltorf.de bekannt gegeben.

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