Menschen bei uns

Neugierde, Feinmotorik und gutes Werkzeug

, von Stephanie Rutke

Gert Phillipsen (86) engagiert sich im Repair Café.

Wentorf – Seit zwölf Jahren gehört Gert Philipsen zum Team des Repair Café. Der 86-Jährige setzt sich mit seinem ehrenamtlichen Engagement ein für Nachhaltigkeit und hat viel Spaß daran, kaputten Dingen ein zweites Leben zu schenken. Mit einem fröhlichen Lächeln sitzt Gert Philipsen auf seiner überdachten Terrasse und hält sein »Multi-Tool« in der Hand. Das kleine Werkzeug ist ein ganzer Werkzeugkasten im Taschenformat und ein echter Alleskönner: Zange, Messer und diverse Schraubendreher sind nur einige der Werkzeuge, die ihm oft helfen, wenn es an die Arbeit geht.

»Ich habe einfach Spaß daran, Dinge zu reparieren«, erklärt Philipsen. Der Grund dafür liegt auch in seiner Kindheit: Er wurde 1940 im Krieg geboren und zu Hause sei alles repariert worden, erinnert er sich. Philipsen ist Wentorfer durch und durch: Seit 1957 lebt er in der Gemeinde in seinem Elternhaus, heute mit seiner Frau Hannelore und der Tochter. Er hat den Wehrdienst hier absolviert und sich zusammen mit seinem Vater um die kranke Mutter gekümmert.

»Mit 16 Jahren habe ich an meinem Moped rumgeschraubt, später dann am VW Käfer.« Für das erste Moped, eine »Quickly« habe er lange sparen müssen, bis er die 465 Mark für den Kauf zusammen hatte.

Was ihn bei seiner Arbeit antreibt, ist die Neugierde. Zu Hause repariert er ebenfalls gerne. »Aber nur alles, was ich darf«, ergänzt er mit einem verschmitzten Lachen. Die Gasheizung ist natürlich tabu für ihn – das machen Fachleute. Manchmal sage seine Frau: ‚Kauf das lieber neu‘.

Der Wentorfer hat sein Berufsleben als Maschinenbauer unter anderem bei Hauni und Blohm & Voss verbracht. Zu seinem Ehrenamt im Repair Café ist er im Alter von 74 Jahren gekommen. Seit 2012 engagiert er sich beim Repair Café in Bergedorf, seit zehn Jahren in Reinbek und seit drei Jahren auch in Wentorf.

»Das Repair Café bedeutet für mich Motivation«, erklärt er. Es sei nicht immer leicht, her-auszufinden, wie und ob man einen kaputten Toaster oder eine Lampe wieder funktionsfähig machen kann. »Mein Engagement setzt sich zusammen aus 30 bis 40 Prozent Umweltbewusstsein, der Rest ist einfach Spaß«, sagt Philipsen. »Ich freue mich, wenn der Staubsauger wieder läuft.«

Spezialisiert hat sich der Wentorfer inzwischen auf Nähmaschinen, denn das erste Gerät, das er wieder zum Laufen gebracht hat, war eine Nähmaschine. Er bevorzugt dabei mechanische Geräte und berät nebenbei auch jüngere Nutzer, die manchmal gerne Omas alte Nähmaschine ausprobieren möchten, aber nicht wissen, wie sie funktioniert.

Weil heutige Geräte meist viel Hightech und Elektronik enthalten, wird es oft schwierig, einen Fehler zu beheben. Versucht werde es trotzdem, so Philipsen, der die Erfolgsaussicht dabei auf rund 20 Prozent einschätzt. Er hält gar nichts von günstigen »Ex- und Hopp-Käufen«, sondern setzt lieber auf Qualität.

Im Repair Café wird versucht, alles wieder in Ordnung zu bringen vom defekten Elektrogerät bis zum kaputten Kleidungsstück. Auf rund 50 Prozent schätzt Philipsen dabei die Erfolgsaussicht. Es sei eine gute Motivation für die Kunden, wenn das Team sagt »Wir haben versucht, zu reparieren«.

Die Arbeit im Repair Café ist aber viel mehr als nur ehrenamtliches Engagement für den Wentorfer. Er weiß zu schätzen, dass hier alle Generationen zusammenkommen, denn im Team arbeiten zum Beispiel auch Studierende mit. »Wichtig sind auch unsere »Kaffeefrauen«, die in der Wartezeit Kaffee und Kuchen verkaufen«, sagt er. Die Antwort auf die Frage, welche Eigenschaften man für die Arbeit im Repair Café brauche, kommt sofort: »Neugierde und Feinmotorik und da bin ich sehr zufrieden mit mir.«

»Ich bin ein neugieriger Mensch in vielen Bereichen«, sagt Gert Philipsen von sich. Deshalb ist die Liste seiner Hobbys lang: Er beschäftigt sich gerne mit Astronomie, liebt Fernsehbeiträge zu Sachthemen, Technik und Astronomie, aber auch Kunst und Kultur kommen nicht zu kurz. »Ich mag gerne Kabarett, höre Jazzmusik, war früher gerne im Cottonclub und höre auch mal Schlager.« Und wenn Gert Philipsen und seine Frau verreisen, hat er mindestens sein Multitool dabei. »Es findet sich immer etwas, das gerichtet werden muss«, weiß er aus langjähriger Erfahrung.

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