Svenja Lange-Hitzblecks

Der Morgenkaffee weckt Erinnerungen an ihre Oma

, von Stephanie Rutke

Kaffeeröster Nick Höhne (24) und Svenja Lange-Hitzbleck (52) in der Rösterei.

Reinbek – Seit ihrer Jugend gilt Svenja Lange-Hitzblecks Leidenschaft dem Kaffee. Sie liebt das heiße, schwarze Getränk und beginnt jeden Morgen mit einem Ritual: In der Siebträgermaschine Bezzera BZ 10 bereitet sie ihren Cappuccino zu und lässt sich dafür richtig Zeit, denn es dauert rund 30 Minuten, bis die Maschine heiß und der duftende Espresso mit der Milchschaumhaube in der Tasse fertig ist. Die italienische Siebträgermaschine hat sie sich vor 12 Jahren, als ihre Oma starb und ihr ein kleines Erbe hinterließ, geleistet. So genießt sie täglich wirklich guten Kaffee und wird dabei auch gleich noch an die Großeltern erinnert.

»Mit 17 Jahren habe ich angefangen, Kaffee zu trinken«, erzählt sie. Bei ihren Eltern stand in der Küche eine konventionelle Kaffeemaschine, getrunken wurde Filterkaffee aus dem Supermarkt. Den sucht man heute in der Küche bei Familie Lange-Hitzbleck vergebens, denn die Kaffeeliebhaberin hat im Laufe der Jahre eine echte Leidenschaft für guten Kaffee entwickelt.

Als ihr heute 14-jähriger Sohn geboren wurde, nahm diese Leidenschaft noch zu: Kurze Nächte mit dem Baby und eine müde Mutter führten zu mehr Kaffeekonsum. »Ich habe damals noch in Hamburg gewohnt und bin mit dem Kinderwagen die Mikro-Röstereien abgefahren und habe dort Kaffees probiert«, erzählt die Marketing-Expertin. Den Supermarkt-Kaffee vertrug sie nicht mehr gut, Kaffee aus Röstereien bekam ihr besser. Langsam wuchs in ihr der Wunsch, eine eigene Rösterei mit Café zu betreiben.

Als eine Freundin ihr erzählte, dass eine alteingesessene Kaffeerösterei in Eppendorf einen Nachfolger suche, war die Idee da: »Ich übernehme die Rösterei«. Sie wollte sich vom Röstmeister alles über das Kaffeerösten beibringen lassen. »Ich habe dann aber schnell gemerkt, dass ich ohne Fachwissen und vor allem ohne Erfahrung nicht in die Selbstständigkeit als Kaffeerösterin starten kann«, so Lange-Hitzbleck realistisch. Der Traum von der eigenen Rösterei mit Café ließ sie trotzdem nicht los.

Nächste Idee war die Eröffnung einer Rösterei im stillgelegten Meerwasserschwimmbad in Laboe, wo ein Bistro zu verpachten war. Gespräche mit den zuständigen Ämtern und der Bank liefen gut, realisieren konnte sie ihren Traum trotzdem nicht. Es gab auch hier zu viele Hürden. Der Pachtvertrag sollte nur jeweils halbjährlich laufen, die Investitionskosten für den Trommelröster und die Ausstattung waren sehr hoch – also hat sie ihren Traum ad acta gelegt. »Aber ich war damit wahnsinnig unzufrieden.«

Wenn nicht in der eigenen Rösterei, dann eben woanders, hat sich Svenja Lange-Hitzbleck gedacht und zunächst einen kleinen Mini-Röster für den Hausgebrauch gekauft und zu Hause mit Rohkaffee experimentiert. Das Ergebnis war noch nicht wirklich überzeugend, deshalb hat sie sich Hilfe bei einem Freund geholt, bei dem sie das professionelle Rösten gelernt hat. Familie, Freunde und Nachbarn wurden nun mit erstklassigem Kaffee versorgt.

»Jetzt war das Kaffeerösten mein Hobby und auch familienkompatibel«, sagt Svenja Lange-Hitzbleck, die seit zehn Jahren in Reinbek lebt. Seit dem vergangenen Jahr arbeitet sie im Marketing des Orthopädieschuhtechnikers Pieschek in Bergedorf und hat die »Kaffeerösterei Timm« kennengelernt. Ihren Chef und die Kollegen hat sie überzeugt, wirklich guten Kaffee zu trinken, den sie bei Timm kauft.

Hier hat sie jetzt zum 50-jährigen Jubiläum des Orthopädieschuhtechnikers einen eigenen Jubiläumskaffee geröstet. 55 Kilo reiner Rohkaffee der Sorte Arabica aus Costa Rica wurden dafür verarbeitet.

Zusammen mit dem Kaffeeröster Nick Höhne füllt Svenja Lange-Hitzbleck die Kaffeebohnen in die Rösttrommel. Durch ein kleines Fenster in der Trommel beobachten sie zusammen, wie sich die Bohnen während des Röstvorganges langsam von grün auf gelb und dann braun färben. Es beginnt zu duften, immer wieder zieht Höhne den Probennehmer aus der Trommel, um den Röstgrad, das Volumen und die Oberfläche der Bohnen zu begutachten.

Nach 12 Minuten ist der Kaffee fertig und das Herz der Kaffeeliebhaberin schlägt höher, wenn die frisch gerösteten Bohnen mit lautem Prasseln aus der Trommel in eine Kühlschale fallen. Hier werden sie mit kalter Luft runtergekühlt, bevor sie in Säcke abgefüllt werden. Die Reinbekerin lässt mit einem glücklichen Lächeln die Kaffeebohnen durch die Hände rieseln und atmet tief ein. »Für mich ist das auch ein Handschlag zum Handwerk«, sagt Lange-Hitzbleck, die solides Handwerk sehr schätzt. »Gute Dinge brauchen ihre Zeit«, weiß sie und freut sich über den Duft der frischgerösteten Kaffeebohnen.

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