Unterricht im Rentenalter

Musik ist ihr Leben

, von Stephanie Rutke

Birgit Garben (80) ist Musiklehrerin und unterrichtet bis heute an der Grundschule Klosterbergen.

Wohltorf – Wie viele Menschen die Wohltorferin Birgit Garben bisher für die Musik begeistert hat, lässt sich schwer sagen: Die 80-Jährige ist Musiklehrerin aus Leidenschaft, spielt Cello und Klavier und unterrichtet bis heute Grundschulkinder und private Schüler. »Ich arbeite immer noch gerne«, erklärt sie mit einem Lächeln. Sie ist eine von mehr als 200 Lehrkräften in Schleswig-Holstein, die auch im Rentenalter noch unterrichten. Ein Grund dafür ist der Mangel an Musiklehrerinnen und Musiklehrern.

Zusammen mit ihrem Mann Cord Garben, dem bekannten Pianisten, lebt Birgit Garben seit 1971 in Wohltorf. Das Ehepaar hat zwei Töchter und fünf Enkelkinder im Alter von 5 bis 30 Jahren. Nach dem Studium der Schulmusik für das Gymnasium hat Birgit Garben an verschiedenen Schulen gearbeitet. An der Sachsenwaldschule Reinbek hat sie unterrichtet und an allen Reinbeker Grundschulen, fast immer mit befristeten Verträgen. Zurzeit gehört sie zum Kollegium der Grundschule Klosterbergen. An zwei Tagen in der Woche unterrichtet sie in den Klassen 1 bis 4 Musik.

»Aber ich war auch an den Schulen in Glinde, Stapelfeld, Börnsen und in Ahrensburg«, zählt sie auf. Ihre Kollegin Rita Teichmann, langjährige Leiterin der Grundschule Wohltorf, hat sie 2001 angerufen und gefragt, ob sie nicht an der kleinen Grundschule in Wohltorf unterrichten wolle. Auch das hat Birgit Garben gerne gemacht.

Im Laufe der Jahre hat sie so sehr viele verschiedene Menschen kennengelernt. Es gab auch kleine Exkurse: Als vom Schulamt ein Anruf kam mit der Bitte, einen autistischen Auszubildenden, der aus Osteuropa kam, zu betreuen, hat Birgit Garben diese Aufgabe gerne übernommen.

Was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten im Schulalltag geändert? »Es gab schon immer schwierige Kinder und es kommt immer sehr auf das soziale Umfeld an«, erklärt Birgit Garben. Sie beobachtet, dass es Kindern zunehmend schwerer fällt, sich zu konzentrieren. Im Unterricht setzt sie auf Lieder zum Beginn der Stunde. »Wir singen ganz viel, besonders in den ersten Grundschulklassen, das kommt gut an.« Welche Lieder die Kinder kennen, hänge oft von der Kindertagesstätte ab, die sie besuchen.

»Wichtig ist immer der Spaß an der Musik«, sagt Birgit Garben. Jeder könne singen und nur zwei Prozent der Bevölkerung sind wirklich unmusikalisch, weiß die Musiklehrerin. Bei ihr dürfen Kinder im Unterricht die Instrumente ausprobieren. »Am meisten Spaß macht es mir zu beobachten, wenn Kinder Freude an Musik haben«, so Garben.

Programm-Musik wie »Die Moldau« oder eine bekannte Oper wie »Die Zauberflöte« stehen ebenso auf dem Plan wie die Nationalhymne. »Die Kinder kennen den Text von den Fußball-Übertragungen im Fernsehen«, weiß Garben. Mit den älteren Grundschülern macht sie kleine Exkurse in die Geschichte und erklärt, warum eine Strophe der Hymne nicht mehr gesungen wird.

Zuhause bei den Garbens steht ein Flügel im Wohnzimmer, ein weiteres Klavier in einem anderen Raum. Während des Gesprächs klingen leise Klaviertöne durch die Räume – Cord Garben übt gerade ein Stück. Zuhause hören die beiden gerne Jazz, Birgit Garben mag Kammermusikkonzerte.

Nach einem Wunsch gefragt, antwortet die Musiklehrerin: »Ich hätte gerne zwei Stunden Musikunterricht in der Woche statt nur einer Stunde.« Mit einer zweiten Stunde hätte sie mehr Zeit und Ruhe, um die Kinder zu unterrichten. Im Kollegium ist sie immer die älteste Lehrerin. »Ich arbeite gerne mit den Kolleginnen zusammen«, erklärt Birgit Garben. Sie empfindet ihre Arbeit als Bereicherung, bei der sie immer wieder neue Anregungen erhält.

Wenn sich ihr Alltag nicht um die Musik dreht, besucht Birgit Garben gerne Kunstausstellungen, arbeitet in ihrem Garten oder steht in der Küche, um Brot zu backen oder Marmelade zu kochen. »Ich habe immer viel zu tun«, erklärt sie mit einem zufriedenen Lächeln.

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