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Ragna Marks hilft Kindern in Indien

, von Imke Kuhlmann

Ragna Marks ist gerade wieder in Indien, um Kindern zu helfen

Wentorf – Im Dezember wurde Ragna Marks für ihr langjähriges Engagement im Children Orthopedic and Rehabilitation Center (CORC) mit einer Ehrenurkunde der Gemeinde Wentorf ausgezeichnet. Eine Würdigung, die die Physiotherapeutin mit Bescheidenheit aufnahm: »Es war mir fast ein wenig unangenehm, damit so im Mittelpunkt zu stehen«, sagt sie.

Ragna Marks ist verheiratet, zog gemeinsam mit ihrem Mann drei Kinder groß und lebt seit 1982 in Reinbek. Seit 1980 arbeitet sie, mit einer Auszeit als die Kinder kamen, als Physiotherapeutin. Der Bezug zur Medizin wurde ihr bereits früh mitgegeben. »Meine Mutter war Heilgymnastin, mein Vater Zahnarzt«, erzählt sie. Bewegung spielte in ihrem Leben zudem immer eine zentrale Rolle. Bereits als junges Mädchen spielte sie Hockey.

Im Jahr 2005 erfuhr sie von dem Projekt Patengemeinschaft für Kinder in Indien im südindischen Mylaudy und war sofort davon angetan. Zu diesem Zeitpunkt waren die eigenen Kinder von Ragna Marks bereits erwachsen und es bot sich für sie sich die Möglichkeit, sich zu engagieren. In Mylaudy wurde 2004 von dem Orthopäden Dr. Zippel eine Orthopädiestation für Kinder mit angeschlossenem Rehabilitationszentrum gegründet. Marks hatte Dr. Zippel bereits in ihrer Ausbildung kennengelernt. Er begeisterte sie mit seinem Engagement. »Ich wollte in einem anderen Land weitergeben, was ich kann«, sagt Marks. »Es war das Mutigste, was ich je getan habe.« Der Flug in ein unbekanntes Land, die Konfrontation mit einfachsten Lebensverhältnissen, großer Armut und dem Leiden der Kinder stellten sie bei der ersten Reise 2007 vor enorme emotionale Herausforderungen. Doch ihr Ziel, Menschen mit Bewegungseinschränkungen die Möglichkeit zu geben, ihre Mobilität zu verbessern, trieb sie an.

In Mylaudy werden Kinder mit orthopädischen und neurologischen Grunderkrankungen ganzheitlich behandelt. Die jungen Patientinnen und Patienten stammen überwiegend aus sehr armen Familien. Sie erhalten individuelle Therapieangebote, die ihre Lebensqualität im Alltag verbessern, ihre Integration fördern und ihnen eine möglichst selbstständige Zukunft ermöglichen sollen. Je nach Bedarf werden sie stationär oder ambulant im Zentrum betreut. Marks hilft durch intensive physiotherapeutische Arbeit sowie durch Schulungen für einheimische Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten und für Angehörige. Die Kommunikation erfolgt überwiegend auf Englisch, doch inzwischen beherrscht sie auch einige Grundlagen der Landessprache Tamil. Auch mit dem Ehepaar Ropohl, das sich ebenfalls in der Patengemeinschaft für Kinder engagiert, gibt es einen engen Austausch. Die Mediziner wurden für dieses Engagement ebenfalls mit der Ehrenurkunde der Gemeinde Wentorf ausgezeichnet.

»Ich begleite die Kinder schon so lange und freue mich zu sehen, wie sie Fortschritte machen, aber auch, wie sie groß werden«, sagt sie. Besonders berührend sei es, eine positive Entwicklung über Jahre hinweg mitzuerleben. Seit vielen Jahren unterstützt sie insbesondere Kinder mit schweren Behinderungen, vor allem mit Cerebralparese. Cerebralparesen (CP) entstehen durch frühkindliche Hirnschädigungen und führen zu unterschiedlich starken Bewegungseinschränkungen. Diese können sehr mild ausgeprägt sein, etwa durch leichte Auffälligkeiten beim Gehen oder im Handgebrauch, aber auch schwere körperliche Beeinträchtigungen mit sich bringen. Viele der Kinder dort leiden zudem an Klumpfüßen. Einmal im Jahr reist sie nach Indien, um im CORC mitzuarbeiten. Erst am vergangenen Dienstag trat sie erneut die Reise an.

Neben ihrer praktischen Arbeit sammelt Ragna Marks Spenden für dringend benötigte Hilfsmittel wie Rollstühle und Therapiestühle. Darüber hinaus wirbt sie um finanzielle Unterstützung für die Ausstattung des Zentrums, das Personal sowie für Patenschaften. Weitere Informationen hierzu sind unter www.patengemeinschaft.de zu finden. Inzwischen werden rund 50.000 Euro pro Jahr benötigt. Insgesamt seien im Laufe der Jahre rund eine halbe Million Euro an Spenden zusammengekommen.

Zum Ausgleich zu Beruf und Engagement steht natürlich Bewegung im Mittelpunkt. Sie spielt Tennis, geht regelmäßig Eisschwimmen und arbeitet als Physiotherapeutin im Hospiz am Deich. Viele Jahre leitete sie zudem Kurse zur Geburtsvorbereitung und Rückbildung. Ein zentraler Bestandteil ihres Lebens ist die Familie: die Zeit mit ihren drei Enkelsöhnen im Alter von fünf, acht und 13 Jahren ebenso wie gemeinsame Stunden mit ihrem Mann im Garten. »Mein Mann hat einen großen Gemüsegarten angelegt, für die Verwertung bin ich zuständig«, sagt sie schmunzelnd.

Wer für das CORC-Projekt spenden möchte, kann dies an Patengemeinschaft für Kinder, IBAN: DE66 1203 0000 1001 1888 10, Verwendungszweck »Kinderorthopädie Mylaudy«.

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