Menschen bei uns

»Ich habe noch viele Ideen«

, von Imke Kuhlmann

Angelika Bock engagiert sich vielfältig für ihre Mitmenschen

Reinbek – Mit ihrem Beruf als Versicherungskauffrau und drei Kindern wäre Angelika Bock eigentlich mehr als ausgelastet gewesen. Ihre zwei Söhne und die Tochter sind inzwischen erwachsen. Acht Enkelkinder im Alter von zweieinhalb bis 15 Jahren bereichern die Familie, die der Mittelpunkt ihres Lebens ist. Und doch gibt es noch eine weitere Konstante, die sich wie ein roter Faden durch ihre Biografie zieht: das Ehrenamt.

Schon mit 16 Jahren engagierte sich Angelika Bock beim Jugendrotkreuz in Neuschönningstedt, einer Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes. »Ich wollte immer Krankenschwester werden«, erzählt sie. Doch nach dem Schulabschluss war sie noch zu jung für die Ausbildung. Stattdessen begann sie eine Lehre zur Bürogehilfin, wie der Beruf damals hieß und verlagerte ihren Wunsch zu helfen ins Ehrenamt. Im freiwilligen Dienst des DRK war sie unter anderem an einer Notdienststation an der Autobahn bei Bargteheide im Einsatz. Sie half bei Unglücken auf der Autobahn. Später unterstützte sie im Krankenhaus St. Georg in Hamburg das Pflegepersonal auf der Station. Sie half beim Waschen, reichte Essen an, hatte ein offenes Ohr für Patientinnen und Patienten. »Mir war wichtig, gebraucht zu werden«, sagt sie rückblickend.

Mit der Geburt ihres ersten Kindes begann ein neuer Lebensabschnitt. Dank der Unterstützung ihrer Eltern konnte sie weiter arbeiten. Doch mit 37 Jahren verlor sie ihren ersten Mann. Eine Zäsur. »Aufstehen, Krone richten, weitermachen«, dieser Satz wurde zu ihrer inneren Haltung. Trotz Trauer kümmerte sie sich um ihre Söhne, blieb berufstätig und engagierte sich weiterhin. Als Elternvertreterin brachte sie sich aktiv ein, wurde später sogar Kreisdelegierte. In ihrer Kirchengemeinde rief sie eine Spielgruppe ins Leben. »Ich wollte immer wissen, was mit den Kindern passiert«, sagt sie. Verantwortung zu übernehmen, sei für sie selbstverständlich gewesen. Einige Jahre später heiratete sie erneut und bekam eine Tochter. Auch in dieser Phase blieb sie aktiv zwischen Familie, Beruf und Ehrenamt.

Mit 58 Jahren ging Angelika Bock in den Vorruhestand, kurz darauf starb auch ihr zweiter Mann. Wieder ein schwerer Verlust. Doch erneut suchte sie nicht den Rückzug, sondern eine Aufgabe. Sie engagierte sich beim Weißen Ring und betreute Opfer von Straftaten. Eine Tätigkeit, die Einfühlungsvermögen, Diskretion und innere Stabilität verlangt.

2013 begleitete sie eine Freundin in die Begegnungsstätte Neuschönningstedt. Dort entdeckte sie ihre Freude an der Seniorenarbeit. Sie nahm an einer Reise nach Leipzig teil, im darauffolgenden Jahr ging es auf den Spuren von Rosamunde Pilcher nach Cornwall. Schließlich wurde sie gefragt, ob sie sich vorstellen könne, künftig die Seniorenarbeit in der BeGe zu leiten. Angelika Bock sagte zu. Heute organisiert sie gemeinsam mit einem Team Kaffeenachmittage, Reisen und Tagesausflüge für die Seniorinnen und Senioren. »Ohne Team ginge das alles nicht«, betont sie. Zudem ist sie im Vorstand der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Reinbek aktiv. Rund drei Arbeitstage pro Woche investiert sie in ihre ehrenamtlichen Aufgaben. Ihr Engagement beim Weißen Ring hat sie inzwischen beendet – nicht aus mangelnder Überzeugung, sondern weil ihre Zeit begrenzt ist.

Im Bismarck-Stift in Reinbek organisiert sie gemeinsam mit einer weiteren Ehrenamtlichen monatliche Geburtstagskaffeenachmittage. »Es ist für mich eine Bereicherung, mit den Menschen am Tisch zu sitzen und ihre Geschichten zu hören«, sagt sie. Diese Begegnungen, das Vertrauen und die Dankbarkeit bedeuteten ihr viel.

Neben all dem genießt sie bewusst ihre Zeit mit der Familie. Sie kümmert sich um die Enkelkinder, trifft Freunde zum Kartenspielen und achtet darauf, sich Freiräume zu schaffen. »Ich nehme mir auch immer Zeit für mich«, so Angelika Bock.

Gerade ist sie in eine Wohnung beim Bismarck-Stift gezogen. Ihr Haus, in dem sie seit 1978 lebte, räumt sie nun für einen der Söhne und dessen Familie. Loslassen könne sie gut. »Das ist ein toller Neuanfang«, sagt sie. Stillstand ist für Angelika Bock keine Option. »Ich habe noch viele Ideen«, sagt sie lächelnd. Was sie hingegen ärgert: wenn Menschen sich über Dinge aufregen, die sie nicht ändern können. Ihr eigenes Lebensmotto spiegelt ihre Haltung wider: »Man muss das Leben so nehmen, wie es kommt.«

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