Menschen bei uns
Sport ist mehr als Bewegung
, von Imke Kuhlmann

Reinbek – Seit 15 Jahren leitet Achim Rupprecht die Seniorengymnastikgruppe des SC (Sport-Club) Wentorf am Dienstag. »Für mich steht vor allem der Spaß im Mittelpunkt«, sagt der 86-Jährige. Doch nun gibt er die Leitung an die jüngere Generation ab. Leicht fällt es ihm nicht.
Geboren in Oppeln, heute Polen, musste seine Familie 1946 fliehen und fand in Beckum eine neue Heimat. Seine berufliche Laufbahn begann Rupprecht bei der Bundeswehr, wo er als einer von 137 Bewerbern einen der zwei begehrten Plätze als Berufssoldat bekam. Vielfältige Weiterbildungen – vom Rettungssanitäter und Laboranten über Röntgentechnik bis hin zur Büroassistenz – zeugen von seinem Wissensdurst. Auch privat suchte er die geistige Herausforderung und besuchte zahlreiche Kurse an der Volkshochschule.
Früh war dem sportlichen Senior klar, dass er seinen beruflichen Weg bei der Bundeswehr gehen wollte. Er lernte dort den Beruf des Formers, wie er damals hieß; heute ist es der Gießereimechaniker. Schon bald merkte er, dass sein beruflicher Weg ihn noch in neue Richtungen führen würde. Rupprecht war einer von 137 Bewerbern, die Berufssoldat werden wollten. Nur zwei Plätze gab es – er bekam einen davon. Grund waren seine vielen Weiterbildungen: Laborant, Rettungssanitäter, aber auch Kenntnisse in Röntgentechnik und Büroassistenz eignete er sich an. Und so ging es für ihn bei der Bundeswehr im medizinischen Bereich weiter.
1978 zog die Familie nach Wentorf, wo Rupprecht bis heute mit seiner Frau in derselben Wohnung im siebten Stock eines Mehrfamilienhauses lebt. Der Ausblick begeistert ihn jeden Tag: Der Fernsehturm ist mit bloßem Auge zu erkennen, das Rathaus mit dem Fernglas.
Auch neben dem Beruf war er immer wissbegierig. Er besuchte viele Kurse an der Volkshochschule. Seine Frau lernte er 1963 in Uetersen kennen. Das Paar bekam zwei Töchter. Gemeinsam gingen sie von Uetersen nach Düren, Aurich und Bremerhaven, bis es sie nach Hamburg führte. Bis 1991 arbeitete Rupprecht im Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg, ehe er – inzwischen als Stabsfeldwebel – in Rente ging.
»Ich bin sehr früh in Rente gegangen, das war bei der Bundeswehr so vorgesehen. Ich war erst 53 Jahre alt«, berichtet er. »Zuerst fiel ich in ein Loch, denn ich war noch so voller Tatendrang«, ergänzt Rupprecht. Und so suchte er sich einen Job bei einer Autoersatzteilfirma. Doch der Verdienst wurde ihm von der Rente wieder abgezogen, und so lohnte es sich für ihn nicht.
Seit 1978 war Rupprecht Mitglied im SC Wentorf und seitdem dort sportlich aktiv. Im Verein betreute er die »Er- und Sie-Gymnastik«, in der auch Volleyball gespielt wurde. Der Familienvater ließ sich als Gruppenleiter für Fitness und Gesundheit ausbilden. Der Übungsleiterschein wurde ihm gerade bis zum Jahr 2029 verlängert.
Vor 15 Jahren begann sein Engagement für die Seniorengymnastikgruppe, bei der er selbst zuvor zusammen mit seiner Frau Ulrike, die von allen »Ulli« genannt wird, Teilnehmer war. Wichtig ist ihm immer die richtige Portion Spaß, denn so macht Bewegung Freude. Der Sportler weiß: »Man fühlt sich mit Bewegung wohler, und Bewegung ist gerade im Alter wichtig.« Ab und an gibt es auch musikalische Begleitung zur Sporteinheit.
Bei der Bundeswehr hatte er bereits die Lizenz erworben, das Sportabzeichen abzunehmen. Wer von etwa April bis September montags das Sportabzeichen im SC Wentorf ablegen will, trifft auch hier auf Achim Rupprecht. Rund 160 Menschen kommen pro Jahr, um die Auszeichnung nach erfolgreich absolvierten Disziplinen zu erhalten. Für sein Engagement bekam er 2025 den Gemeindepokal der Gemeinde Wentorf. »Im Ehrenamt finde ich Gemeinschaft – die habe ich gefunden«, sagt er.
Künftig wird sich Rupprecht der Seniorengruppe am Freitag anschließen – als Teilnehmer. Und auch über den Sport hinaus geht sein Engagement. Siebenmal war er Wahlhelfer, er pflegt beispielsweise die Bepflanzung um den Adenauerstein an der Ecke »Zwischen den Toren« und Südring. Vor zwei Jahren hat er dort einen Amberbaum gepflanzt, dessen saisonale Färbung die Menschen erfreut. Zudem ist er Vorsitzender des Vereins »Landsmannschaft Schlesien«, der 50 Mitglieder zählt. Einmal pro Monat trägt er unter dem Namen »Schlesische Gemütlichkeit« für die Mitglieder Informationen zusammen.
»Rumsitzen ist nichts für mich«, so der Ruheständler. Ehrenamtliches Engagement sei ihm wichtig, um unter Menschen zu kommen. Das Miteinander hat er sich bis heute erhalten.