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»Ein paar Ideen« zur Zukunft»
, von Hartmuth Sandtner
»Es herrscht Endzeitstimmung.« erklären Elena Erdmann und Maximilian Probst in der ZEIT v. 21.5.26. »Milliardäre bauen in Neuseeland Bunker. KI-Experten warnen, dass Maschinen den Menschen auslöschen könnten.« Und sie fragen: »Wird unsere Zivilisation kollabieren?« Der australische Historiker Luke Kemp hat in seinem Buch Goliath’s Curse (deutsch: Goliaths Fluch; erscheint Nov. 2026) mit Rückgriff auf den großen Datenschatz »Seshat – The Global History Databank«, Fakten zusammengetragen, wie frühere Zivilisationen zerbrochen sind und was sich daraus lernen lässt. Als Kollaps bezeichnet er dabei einen Zustand, in dem Wirtschaft und Staat nicht mehr funktionieren und die Bevölkerung deutlich schrumpft. »Damit ganze Gesellschaften zusammenbrechen, muss einiges zusammenkommen. So wie jetzt.«, formulieren Erdmann und Probst. Die Maya-Kultur zerfiel zwischen 800 und 1000 unter lang anhaltenden Dürren, gleichzeitig verloren ihre Handelsrouten an Bedeutung. Das chinesische Kaiserreich zerfiel im 2. Jahrhundert durch Überflutungen, Epidemien und Rebellionen.
Kemp bezieht sich in seinem Buch auch auf den Anthropologen Joseph Tainter (1988: The Collapse of Complex Societies) und den Evolutionsbiologen Jared Diamond (2005: Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen). Sie Zeitläufte haben Diamonds Sorge wachsen lassen. 2019 schätzte er die Wahrscheinlichkeit auf 49 Prozent, dass unsere Zivilisation, wie wir sie kennen, bis 2050 kollabiert. »Die Debatte um einen möglichen Klimakollaps«, so sieht es der Hamburger Soziologe Prof. Frank Adloff, »ist weder als Alarmismus noch Resignation aufzufassen, sondern als ein notwendiger Realismus.« Der Historiker Kemp betont zudem: Den Kollaps sehe man meist erst in der Rückschau. Wenn es zu spät ist. Johan Rockström vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagt, »dass wir dem Kollaps kritischer Systeme, die unseren Planeten stabilisieren, näher sind, als die meisten Menschen glauben«.
Erdmann und Probst notieren: »In fast allen Fällen gesellschaftlicher Zusammenbrüche habe die Konzentration von Macht auf wenige eine zentrale Rolle gespielt. Der Fluch des Goliaths lautet: Ausbeuterische Gesellschaften tragen den Keim ihres eigenen Untergangs in sich. Wo Macht und Besitz sich in den Händen weniger bündeln, schrumpfen die Puffer der vielen: Ein Dürrejahr, ein Preisschock, eine Epidemie reicht, um das System zu erschüttern. Am Ende bricht genau das weg, was das Gemeinwesen zusammenhält.«
Kummulieren die Ereignisse in diesem Jahr? Nicht nur das Klimasystem, sondern auch das soziale System scheinen massiv erschüttert, wenn man Juli Zeh zuhört. »Menschen brauchen die Perspektive, dass sie und ihre Kinder sich innerhalb der Gesellschaft entwickeln können. Und dieses Gefühl schwindet dramatisch«, sagt die Schriftstellerin und ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht des Landes Brandenburg in der süddeutschen v. 27.6.26, im Interview mit Kerstin Bund und Hendrik Munsberg über Gerechtigkeit. »Die Angst vor Veränderung wird immer größer, egal, ob es um Zuwanderung geht oder um Klimapolitik. Und dann natürlich die sozioökonomische Ungerechtigkeit, also das immer stärkere Auseinanderdriften von Arm und Reich. Die Ungerechtigkeit zwischen den Geschlechtern ist nach wie vor enorm«, so die promovierte Juristin. Was müssten die Politiker, die in Deutschland derzeit Verantwortung tragen, denn konkret ändern, damit die Leute ihnen wieder zuhören, wird sie gefragt: »Die Rhetorik und das Auftreten von Berufspolitikern sind für Menschen, die das Vertrauen in die Institutionen verloren haben, nicht mehr anschlussfähig.«
Was tun?
»Am besten überstanden die Katastrophen diejenigen Gesellschaften, die am egalitärsten organisiert waren«, sagt Luke Kemp. Darum ist für ihn ein Ausbau der Demokratie der beste Weg, dem Zusammenbruch vorzubeugen. Für Juli Zeh ist wichtig, »dass wir große Debatten führen über die Frage, wie unser Land in Zukunft aufgestellt sein soll. Wirtschaftlich und politisch. Es gibt überall massiven Reformbedarf, der nur mit einer positiven Vorstellung von Zukunft angepackt werden kann.« Dazu herrscht »eine große Sehnsucht danach, dass direkt und ehrlich gesprochen wird«, weiß Juli Zeh
Kerstin Bund und Hendrik Munsberg thematisieren zum Schluss ihres Interviews, dass »Juli Zeh immer mal wieder als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten genannt wird« und fragen: »Was würde eine Bundespräsidentin Juli Zeh anders machen als die bisherigen männlichen Amtsinhaber?« Ihre Antwort: »Auch wenn ich mich um dieses Amt derzeit nicht bewerben will – ich glaube, eine Bundespräsidentin könnte immer wieder die großen Reformbaustellen im Land anmahnen und gleichzeitig einfordern, dass wir mutig in die Zukunft denken und positive Visionen von Gesellschaft entwickeln. Ich hätte da schon ein paar Ideen.«