Einwohnerversammlung

Wenn der Alltag plötzlich stillsteht

, von Imke Kuhlmann

Christian Schulz ist Gerätewart bei der Reinbeker Feuerwehr und steht vor dem Notstromaggregat, dass in Krisenfällen eingesetzt werden kann

Reinbek – Ein Stromausfall, kein Mobilfunk, kein Internet – was im täglichen Leben kaum vorstellbar ist, kann im Krisenfall schnell zur Realität werden. Rund 300 Reinbekerinnen und Reinbeker informierten sich bei der Einwohnerversammlung im Schulzentrum Mühlenredder am 5. Oktober darüber, wie die Stadt auf solche Situationen vorbereitet ist und was jeder selbst tun kann.

«Wir wollen keine Angst schüren, sondern zeigen, welche Strukturen vorhanden sind und was jeder Einzelne beitragen kann«, erklärte Kevin Juhl, der in Reinbek für den Bevölkerungsschutz zuständig ist. Denn vollständig verhindern lassen sich Krisen nicht. Entscheidend sei vielmehr, wie gut eine Stadt und ihre Bevölkerung damit umgehen können. Wie abhängig der Alltag von funktionierender Infrastruktur ist, wird bei einem längeren Stromausfall besonders deutlich. Ohne Elektrizität können unter anderem Tankstellen, Kassensysteme und Pumpen ausfallen. Auch die Wasserversorgung und Abwasserentsorgung können beeinträchtigt werden. Gleichzeitig wird auch die 112 nicht mehr erreichbar sein. Der Stromausfall in Berlin Anfang des Jahres hat dies deutlich gemacht. Neben Stromausfällen bereitet sich Reinbek auch auf andere Szenarien vor – von extremen Wetterlagen und Cyberangriffen bis hin zu größeren politischen oder sicherheitsrelevanten Krisen. Für solche Fälle baut die Stadt ihre Strukturen weiter aus. Ein 35-köpfiger Krisenstab übernimmt im Ernstfall die Koordination. Gefahren und mögliche Risiken werden regelmäßig betrachtet, Alarm- und Einsatzpläne erstellt und Abläufe geprobt. Auch die Feuerwehr verfügt über besondere Ausstattung für größere Schadenslagen. Vor der Schule stand der Einsatzleitwagen für Großschadenslagen und konnte besichtigt werden.

Ein wichtiger Baustein sind die sogenannten Notfallinformationspunkte. Sie sollen Anlaufstellen sein, wenn digitale Kommunikation nicht mehr funktioniert. Dort können Bürgerinnen und Bürger Informationen erhalten, Notfälle melden und bei Bedarf Erste Hilfe bekommen. Vorgesehen sind zunächst unter anderem Feuerwehrhäuser, das Rathaus und Sporthallen. Die entsprechenden Standorte werden mit roten Schildern gekennzeichnet. Je nach Dauer und Ausmaß einer Krise können aus solchen Anlaufstellen umfangreichere Hilfsangebote entstehen. Dazu gehören beispielsweise Schlafplätze, warme Mahlzeiten, Möglichkeiten zum Aufwärmen von Babynahrung oder das Laden von Mobiltelefonen. Dafür braucht es allerdings Menschen, die mithelfen. Das DRK sucht deshalb Freiwillige, die in solchen Situationen ruhig, zuverlässig und verantwortungsvoll unterstützen können. Besondere Erfahrungen im Feuerwehr- oder Rettungsdienst sind dafür nicht erforderlich.

Auch die Stadtverwaltung selbst muss sich auf einen längeren Ausfall von Kommunikationswegen einstellen können. Informationen müssen dann auf anderen Wegen weitergegeben und eingeordnet werden. Gerade in einer Krisensituation kann es zudem schwierig sein, verlässliche Nachrichten von Gerüchten und Falschinformationen zu unterscheiden. Die wichtigste Vorsorge beginnt allerdings zu Hause. Die Empfehlung lautet, dass Haushalte mindestens drei Tage eigenständig überbrücken können sollten. Dazu gehören haltbare Lebensmittel und ausreichend Trinkwasser, als Richtwert gelten etwa zwei Liter pro Person und Tag. Sinnvoll ist es, auch ohne Strom Essen zubereiten zu können. Für den Fall, dass das eigene Zuhause kurzfristig verlassen werden muss, empfiehlt sich ein griffbereiter Notfallrucksack. Darin sollten unter anderem Ausweisdokumente, Gesundheits- und Impfinformationen, Bargeld, Medikamente, Erste-Hilfe-Material, Hygieneartikel, wichtige Telefonnummern und ein batteriebetriebenes oder mechanisches Radio Platz finden. Auch eine Powerbank, Taschenlampe, wettergerechte Kleidung, Schlüssel und etwas haltbare Verpflegung werden empfohlen. Kinder sollten einen Brustbeutel mit Namen und Adresse tragen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Menschen, die im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind. Fallen Aufzüge, Telefone oder medizinische Geräte aus, können sie besonders schnell in Schwierigkeiten geraten. Nachbarschaftliche Hilfe kann deshalb im Krisenfall ebenso wichtig sein wie die vorbereiteten Strukturen der Stadt.

Weitere Informationen zum Bevölkerungsschutz und zur persönlichen Vorsorge gibt es unter www.reinbek.de/bevoelkerungsschutz

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