Sachsenwald
Im Einsatz für einen gesunden Wald
, von Stephanie Rutke

Aumühle/Wohltorf – Jedes Mal, wenn im Sachsenwald Holzfällarbeiten in größerem Umfang laufen, ruft das besorgte Bürger auf den Plan. Sie fürchten, dass zu viele Bäume weichen müssen. In den nächsten drei bis vier Monaten finden erhebliche Forstarbeiten im Bereich der Gemeinden Aumühle und Wohltorf statt. Sie sind notwendig, um den Wald gesund und stabil zu halten.
»Der Sachsenwald ist ein Privatwald und gehört den Familien von Rantzau und von Bismarck«, erklärt Ulrich Maushake, Leitender Forstdirektor a.D., der die laufenden Arbeiten begleitet. Er ist seit mehreren Jahren forstfachlich tätig für die Familie von Rantzau. »Ein Wald muss gepflegt werden, damit er stabil bleibt«, erklärt er den Grund für die aktuellen Maßnahmen. »Ein gesunder Wald ist die Voraussetzung, um alle Wohlfahrtswirkungen des Waldes nachhaltig erbringen zu können«, sagt der Fachmann. Dazu zählen zum Beispiel die Reinhaltung der Luft, CO²-Speicherung und Erosionsschutz.
Seit Jahrtausenden werden die Wälder, die wichtig sind für die Volkswirtschaft, von Menschen genutzt. Die Verwertung von Holz als nachwachsender Rohstoff ist ein bedeutender Wirtschaftszweig und Nachhaltigkeit seit mehr als 300 Jahren ein Grundprinzip der deutschen Forstwirtschaft. Eichen und Buchen kommen unter anderem in der Möbelindustrie und beim Innenausbau zum Einsatz.
Zur Waldpflege gehöre auch immer das Thema Fällung, denn die Bäume, die erhalten bleiben sollen, benötigen Platz für ihre Kronen und Wurzeln, erklärt der Fachmann. Der fortschreitende Klimawandel bringt Veränderungen mit sich, die sich auch in den heimischen Wäldern bemerkbar machen. »Dürre, Stürme und Wetterextreme nehmen zu«, sagt Maushake. Damit möglichst jeder Baum im Wald optimal fest stehe, seien Durchforstungsmaßnahmen und Waldpflege zwingend notwendig. Je dichter die Bäume stehen, desto instabiler ist der Wald.
»Vom Klimawandel sind die verschiedenen Baumarten unterschiedlich betroffen«, erklärt Ulrich Maushake. Im Sachsenwald wachsen neben Buchen und Eichen auch Kiefern, Lärchen und Douglasien und Fichten. Die Fichte sei ein empfindlicher Baum, der unter dem Klimawandel besonders leidet. Als Flachwurzler ist die Fichte bei Sturm einem größeren Risiko ausgesetzt als andere Baumarten. Wie sehr Stürme den Wald verändern können, ist auch heute – viereinhalb Jahre, nachdem der Orkan Zeynep über dem Sachsenwald wütete – deutlich zu sehen: Zahlreiche Lichtungen im Wald, wo Bäume umgerissen wurden, zeugen von den massiven Schäden.
Wenn im Wald Durchforstungsarbeiten laufen, müssen die betroffenen Waldgebiete abgesperrt werden, denn es besteht Lebensgefahr für jeden, der sich im Wald aufhält. Die Arbeiten werden fachgerecht von Profis ausgeführt, zum Einsatz kommen auch Harvester, vollmechanisierte Forstmaschinen, die Bäume fällen, entasten und auf das passende Maß zuschneiden. »Wir legen großen Wert darauf, dass die verbleibenden Bäume unbeschädigt bleiben«, so Mausharke. Trotzdem könne es immer passieren, dass Äste mitgerissen oder andere Bäume in Mitleidenschaft gezogen werden.
Auf Aussagen wie ‚Lasst den Wald in Ruhe‘ reagiert Maushake sehr deutlich: »Das ist fachlich eine komplett falsche Aussage«, sagt er. Ein Wald, der nicht gepflegt wird, wäre nicht mehr für Menschen zugänglich und damit auch kein Ort mehr für Spaziergänge und Naherholung. »Für Laien sieht die Durchforstung erst einmal nach Verwüstung aus«, so der Fachmann. »Dafür habe ich Verständnis.« Genau das sei aber nicht der Fall, denn hier arbeiten Spezialisten, deren Ziel es ist, den Wald vielgestaltig, strukturreich und mit Blick auf die Nachhaltigkeit in seinen wichtigen Funktionen zu erhalten. Waldpflege sei erforderlich und kein Diskussionsthema. »Gerade die Waldeigentümer sind Baumliebhaber und investieren Leidenschaft und viel Geld in ihren Wald«, betont Ulrich Maushake, »aber die Sicherheit für menschliches Leben geht vor.« Je älter ein Wald sei, umso höher ist das Risiko, dass große Äste brechen. »Wer sich im Wald bewegt, macht das auf eigenes Risiko und muss die waldtypischen Gefahren jederzeit beachten«, lautet die Warnung.
Umfangreiche Baumpflegearbeiten als nachhaltige Verkehrssicherungsmaßnahme haben in den Monaten, in denen die Bahnstrecke Hamburg-Berlin gesperrt war, entlang der Gleise auf Kosten des Waldeigentümers stattgefunden.
An der L 208 kurz vor dem Ortseingang von Kröppelshagen werden aktuell viele Buchen gefällt, der Wald soll lichter werden. »Ziel ist es hier, einen stabilen Waldrand nachhaltig aufzubauen und auch ökologische und waldästhetische Belange haben wir im Blick«, erklärt Ulrich Maushake.
Im Wohltorfer Waldgebiet sorgten sich Anwohner jetzt um ihren »Schaukelbaum«, der schon markiert war. Die alte Buche auf einem der Waldwege zwischen Wohltorf und Aumühle, in die vor Jahren jemand einen Strick zum Schaukeln gehängt hat, bleibt stehen. »Nach Gesprächen mit Aumühles Bürgermeister Knut Suhk werden wir den Baum nicht fällen aus Rücksicht auf den Wunsch einiger Bürger«, erklärt Maushake und weist gleichzeitig ausdrücklich darauf hin, dass weder die Gemeinde noch die Waldbesitzer hier die Verkehrssicherungspflicht übernehmen, falls etwas passieren sollte. Jeder, der hier schaukeln möchte, ist selbst für sich verantwortlich. Stephanie Rutke