Schloss Reinbek
Eine Auszeichnung für Menschlichkeit
, von Imke Kuhlmann

Reinbek – Ein denkwürdiger Zusammenfall der Ereignisse: Ausgerechnet an dem Tag, an dem Israel und die USA den Iran militärisch angreifen und ein neuer Krieg im Nahen Osten heraufzieht, fand die jährliche Verleihung des Olof-Palme-Friedenspreises der SPD-Stormarn statt. »Ein weiterer schwerer Rückschlag auf dem Weg zu einem friedlichen und gerechten Zusammenleben, so wie Olof Palme es immer angestrebt hatte«, konstatierte der SPD-Kreisvorsitzende Robert Wuschke bei der Begrüßung der zahlreichen Gäste der Verleihungsfeier im Reinbeker Schloss. Doch der Olof-Palme-Friedenspreis solle gleichwohl ein Zeichen der Ermutigung und der Anerkennung des Engagements von Bürgerinnen und Bürgern sein, die sich im Kreis für ein solidarisches und menschliches Zusammenleben einsetzen, so Wuschke. Wie in jedem Jahr hatte der SPD-Kreisverband mehrere Vorschläge für eine Würdigung bürgerschaftlichen Engagements erhalten, unter denen die Jury die Entscheidung fällen musste, wer Preisträger oder Preisträgerin sein solle.
Die Preisverleihung fand in einem festlichen Rahmen statt, bei der der ehemalige Landesbischof Dr. Gerhard Ulrich eine eindrucksvolle Festrede hielt. Musikalisch wurde der Abend, durch das Ensemble Garden of Delights, begleitet, das mit Barock-Musik und irischer Volksmusik das Publikum begeisterte. Dr. Ulrich, der auch Beauftragter des Landes Schleswig-Holstein für Jüdisches Leben und gegen Antisemitismus ist, rechnete mit klaren Worten mit populistischen und antisemitischen Parolen ab: »Wer meint, der Krieg in der Ukraine ist nicht unser Krieg, missachtet Völkerrecht und Menschenrechte. Nationalismus ist das Gegenteil von Solidarität und friedlichem Zusammenleben.« Gegenüber rechten und menschenverachtenden Parolen dürfe man nicht schweigen: »Was uns die Sprache verschlägt, darf nicht dazu führen, dass wir aufhören zu reden« mahnte Dr. Ulrich. Frieden sei kein Deal und es dürfe nicht dazu kommen, dass nur noch das Recht des Stärkeren gelte. Scharf kritisierte Dr. Ulrich die stark zugenommenen Angriffe auf Jüdinnen und Juden auch in Schleswig-Holstein. Der Satz »Nie wieder ist jetzt« reicht seiner Meinung nach nicht, es müsse klar sein: »Nie wieder ist nie!« Der Kampf gegen Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus sei nicht nur Aufgabe des Staates, sondern aller Bürgerinnen und Bürger.
Die Vorschläge für den Olof-Palme-Friedenspreis waren vielfältig und ehrenwürdig, berichtete Probst i. R. Matthias Bohl über die Auswahlentscheidung des Kuratoriums. So wurden der »Runde Tisch Trittau«, der für ein offenes und tolerantes Trittau steht, der »Kraken Stormarn hilft e.V., der unter anderem das Kinder-Hospiz Sternenbrücke unterstützt, die Berufsschülerin Celina Kühn, die sich über Tampon- und Bindenspender für Chancengleichheit einsetzt und Alice Freitag, die die Lesepaten Ahrensburg organisiert, vorgeschlagen. Den Preis erhielt jedoch der Verein »Bunte Vielfalt Bargteheide Stadt und Land e.V.« für seine mittlerweile zehnjährige engagierte Beratung, Betreuung und Begleitung Geflüchteter. Der Laudator hob die Verlässlichkeit, die offene Anlaufstelle, die praktischen Hilfen und die menschliche Wärme des Vereins als besonders zu ehren hervor. Sie bieten Workshops und Lernangebote an, eine Fahrradwerkstatt und eine Nähstube wie auch Begegnungsräume und ein Frauencafé. Zudem sind persönliche Begleitungen wie auch Fahrdienste möglich. Ausflüge gehören ebenso zum Angebot des Vereins. Die Unterstützung stärkt die Selbständigkeit der Menschen, schafft Vertrauen und soll helfen, ein Leben in Bargteheide aufzubauen.
Vor der Verleihung des Friedenspreises gab es noch eine weitere Feierlichkeit, denn der Olof-Palme-Friedenspreis ist nun eine Stiftung. Um das zu manifestieren, trafen sich neben weiteren Parteimitgliedern die SPD-Kreisvorsitzende Marion Meyer, die die Stiftung initiierte und Vertreter der Bürgerstiftung Stormarn, unter dessen Dach sich die Olof-Palme-Friedenspreis-Stiftung nun befindet, sowie die Stiftungsgründer und geladene Gäste zur Besiegelung der Vereinbarung. »Ich möchte sicherstellen, dass die Stiftung, die sich noch im Aufbau befindet, nun eine dauerhafte, über Generationen etablierte Veranstaltung wird, die sich hoffentlich in ein paar Jahren selbst trägt«, so Marion Meyer.