Große Jubiläumsfeier

Reinbeker Traditionsunternehmen Amandus Kahl feiert 150-jähriges Jubiläum

, von Stephanie Rutke

Sie läuten symbolisch die nächsten 150 Jahre Firmengeschichte ein: v.l.: Sebastian Mertens, Dr. Victoria Behrmann und Joachim Behrmann.

Reinbek – Die Firma Amandus Kahl, spezialisiert auf Maschinen- und Anlagenbau für die Industrie, gehört zu den alteingesessenen Traditionsunternehmen der Stadt. Als Hersteller unter anderem von Pelletpressen, Expandern und Brechwalzenstühlen sowie als Anbieter kompletter Anlagen, beispielsweise Holzpelletieranlagen, bedient das Unternehmen die Bedürfnisse unterschiedlicher Industrien weltweit, von Futtermittel- und Biomasse- über Recycling- bis zu Lebensmittel-, Chemie- und Pharmaanwendungen.

Am 4. September beging das Familienunternehmen sein 150-jähriges Bestehen mit mehr als 250 geladenen Gästen. Gekommen waren Vertreter und Mitarbeiter aus Niederlassungen aus der ganzen Welt. Aber nicht nur aus Japan, Brasilien, Dubai, Kasachstan und Chile waren Gäste angereist, sondern auch aus Reinbek und Glinde. Die beiden Bürgermeister Björn Warmer, Reinbek und Patrick Klose, Glinde, feierten mit. Schließlich gehört zur Geschichte der Firma auch die ungewöhnliche Tatsache, dass sich das Betriebsgelände heute zum Teil auf Reinbeker und zum Teil auf Glinder Stadtgebiet befindet.

Für die große Feier verwandelten sich die Produktionshallen in eine Eventlocation mit Bühnenbereich, Liveband und Live-Cooking-Stationen. Passend zu den Unternehmensfarben blau und weiß waren die Hallen geschmückt und auch der Begrüßungsdrink, ein »Kahl Blue« leuchtete blau in den Gläsern.

»Was muss ein Unternehmen tun, um 150 Jahre lang durchzuhalten?«, fragte Janina Tiedemann, die als Moderatorin durch den Festakt führte, die Anwesenden. Die Antwort gab sie selbst: »Mut und Erfahrung sind nötig«. So lautet das Motto auch »150 Jahre Innovation, Tradition mit Zukunft.«

»Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben und blicken optimistisch in die Zukunft«, begrüßte Joachim Behrmann (86) die Gäste. Zusammen mit seinem Bruder Jan Behrmann (79) hat er vor 50 Jahren Verantwortung für Amandus Kahl übernommen. Seitdem hat sich das Unternehmen von damals 200 Mitarbeitern zu einer Firmengruppe mit mehr als 900 Mitarbeitern entwickelt.

Das Umsatzziel für 2027 liegt bei mehr als 250 Millionen Euro, konnte Behrmann berichten. Rund die Hälfte des Umsatzes macht das Unternehmen mit Ersatzteilen. »Es ging immer bergauf für die Firma«, so der Unternehmer. Er betonte, dass er auch in Zukunft auf den Produktionsstandort Deutschland setze und das als Verpflichtung ansehe. Mit mehr als 50 Auszubildenden jährlich in unterschiedlichen Berufen ist das Unternehmen gut aufgestellt für die Zukunft.

In mehr als 100 Ländern sind Produkte der Kahl-Unternehmensgruppe im Einsatz. »Weltweit einzigartig ist unsere Flachmatritze«, so Behrmann. Sie hat ihren Erfolgszug um die Welt als »Hühnerfutter-Kunstkorn-Presse« in den 1920er Jahren begonnen.

»Ich finde es toll, wie und wo Sie heute feiern«, wandte sich Reinbeks Bürgermeister Björn Warmer an die Familie Behrmann. »Dank Ihnen weiß die ganze Welt, wo Hamburg ist – nämlich bei Reinbek.« Amandus Kahl habe zwei Weltkriege, technische Innovationen und weltweite Krisen sicher überdauert. »Amandus Kahl ist Teil der Stadt und das macht uns stolz«, so Warmer. Er dankte dem Unternehmen für den engagierten Einsatz für Flüchtlinge, denn die Firma hat ein Gebäude zur Schulung der Geflüchteten zur Verfügung gestellt. »Bleiben Sie neugierig, innovativ und Reinbek verbunden«, sagte Warmer und betonte, dass eine erfolgreiche Stadt erfolgreiche Unternehmer brauche.

Glindes Bürgermeister Patrick Klose hatte sich mit seinem Amtskollegen bezüglich der Reden abgestimmt. »150 Jahre Firmengeschichte, das ist eine Zahl, die Respekt bedeutet«, betonte Klose, »heute wird ein Stück Weltgeschichte gefeiert.« Amandus Kahl stehe als Mittelstandsunternehmen für das Rückgrat der Gesellschaft und werde sich den neuen Herausforderungen auch in Zukunft stellen.

Nächste Rednerin war Nicole Marquardsen, Fachanwältin für Arbeitsrecht vom Verband & Serviceorganisation der Wirtschaftsregionen Holstein und Hamburg. »Sie haben große Herausforderungen wie die Hyperinflation in den 1920er Jahren, die Weltkriege oder die Ölkrise der 1970er Jahre gemeistert«, betonte sie. Krisen seien Katalysatoren für Erneuerung und das Fundament zur Fortschreibung der Erfolgsgeschichte des Unternehmens.

»Generationen von Menschen haben in unserem Unternehmen gearbeitet in den vergangenen 150 Jahren«, betonte Dr. Victoria Behrmann (45), Geschäftsführende Gesellschafterin, die seit 2007 dem Unternehmen angehört. »Woran halten wir fest und was müssen wir in Zukunft neu denken«, lauten Fragen, mit denen sich das Unternehmen beschäftige. Ziel seien dabei immer zufriedene Mitarbeiter und zufriedene Kunden. »Bodenständig und innovativ, vernetzt und neugierig« – all das sei Amandus Kahl, sagte sie.

Für die Gäste gab es anschließend Gelegenheit, sich die Produktionshallen zeigen und erklären zu lassen. Dafür standen Mitarbeiter aus den verschiedenen Abteilungen bereit. Für die Mitarbeiter und ihre Familien gab es ebenfalls ein Fest zum Firmenjubiläum: Sie verbrachten alle gemeinsam einen Tag in Niedersachen auf Gut Thansen.

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