Kirchengemeinde Reinbek-West
Zwischen Suppenküche und Tafel
, von Imke Kuhlmann

Reinbek – Während viele werdende Mütter die letzten Monate vor der Geburt nutzen, um sich auszuruhen und das Kinderzimmer vorzubereiten, hat sich eine junge Reinbekerin für einen anderen Weg entschieden. Seit einigen Monaten engagiert sich Julia Maruhn (31) ehrenamtlich in der Suppenküche und bei der Lebensmittelausgabe der Kirchengemeinde Reinbek-West und möchte auch nach der Geburt ihres Kindes dabeibleiben.
Der Weg ins Ehrenamt begann eher zufällig. In ihrem Beruf als Erziehern darf sie aus Gründen des Schutzes der werdenden Mutter seit der Schwangerschaft nicht arbeiten. Die Infektionsgefahr ist zu groß. Im Internet stieß sie auf die Angebote der Kirchengemeinde, schaute sich die Arbeit an und war sofort überzeugt. »Zwei Tage später war ich schon hier«, erzählt sie. »Ich wusste gar nicht genau, was auf mich zukommt. Aber ich habe schnell gemerkt: Das ist genau das Richtige.« Heute unterstützt sie sowohl in der Suppenküche als auch bei der Lebensmittelausgabe. Dort stellt sie Lebensmittel für Bedürftige zusammen, hilft bei der Ausgabe und kommt mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch. Gerade dieser persönliche Kontakt sei für sie besonders wertvoll. »Es geht eben nicht nur darum, Lebensmittel zu verteilen. Die Menschen freuen sich, wenn jemand zuhört und sie freundlich empfängt.«
Beeindruckt hat sie vor allem, wie unterschiedlich die Teams arbeiten und wie viel Vertrauen untereinander herrscht. »Jede Gruppe organisiert die Ausgabe etwas anders. Aber alle haben das gleiche Ziel: den Menschen zu helfen.« Besonders schätzt sie die Offenheit innerhalb des Teams. Die Ehrenamtlichen seien zwischen etwa 50 und 80 Jahre alt, sie selbst gehört zu den Jüngsten. Gerade dieser Generationenmix bereichere die Arbeit. »Ich lerne unglaublich viel von den Älteren. Sie bringen Lebenserfahrung mit und erzählen Geschichten, die man sonst nie hören würde.« Erst durch ihre Mitarbeit sei ihr bewusst geworden, wie viele Menschen auf solche Angebote angewiesen sind. »Mir war vorher gar nicht klar, dass es auch hier Menschen gibt, die auf Unterstützung angewiesen sind. Darüber wird viel zu wenig gesprochen.« Deshalb erzählt sie inzwischen auch Freunden und Bekannten von ihrem Engagement. »Viele wissen gar nicht, dass es diese Angebote gibt. Dabei hilft jede Stunde, die jemand mitarbeitet.« Neben finanziellen Sorgen sei für viele Besucher auch die Einsamkeit ein großes Thema. Gerade die Suppenküche sei deshalb weit mehr als eine Essensausgabe. Viele Gäste kämen regelmäßig, träfen Bekannte und fänden Gemeinschaft. Fehle plötzlich jemand, werde schnell nachgefragt. »Das zeigt, wie wichtig diese Begegnungen für viele Menschen sind.«
Trotz ihrer Schwangerschaft möchte die junge Reinbekerin der Einrichtung treu bleiben. Schon jetzt denkt sie darüber nach, wie sie nach der Geburt zumindest gelegentlich wieder mithelfen kann. »Wenn ich es schaffe, einmal oder zweimal im Monat zu kommen, wäre ich glücklich. Der Kontakt zu den Menschen fehlt mir sonst.« Für sie steht fest: Ehrenamt bedeutet weit mehr als Hilfe für andere. »Man bekommt selbst unglaublich viel zurück.« Deshalb hat sie auch einen Wunsch: »Es wäre schön, wenn noch mehr Menschen erfahren würden, dass sie hier gebraucht werden.« Wer Interesse hat mitzuarbeiten, kann sich unter Tel. 040-7226315 im Kirchenbüro melden. Auch Spenden sind willkommen.