Hausbesuche sollen helfen – Gelder fehlen
Seniorenbeirat will ältere Menschen aus der Isolation holen
, von Imke Kuhlmann

Reinbek – Rund 7.000 Menschen über 65 Jahre leben in Reinbek. Bundesweit sind etwa acht Millionen Menschen von Einsamkeit betroffen. Einsamkeit ist ein Thema, das viele betrifft, unabhängig von Alter, Lebenssituation oder sozialem Umfeld. Ältere Menschen sind jedoch besonders häufig betroffen. Eingeschränkte Mobilität und ein kleiner werdender Freundeskreis sind nur einige der Gründe. Vor diesem Hintergrund hat der Seniorenbeirat Reinbek sein Jahresmotto für 2026 vorgestellt: »Gegen die Einsamkeit«. Studien zeigen, dass Einsamkeit nicht nur emotional belastend, sondern auch ein wachsender Risikofaktor für die Gesundheit ist. Diese Entwicklung nimmt der Seniorenbeirat zum Anlass, das Thema stärker in den Fokus der kommunalen Arbeit zu rücken. Ziel ist es, bestehende Angebote sichtbarer zu machen, neue Impulse zu setzen und Einsamkeit stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.
Der Seniorenbeirat hat bereits 2024 einen Antrag zur Einführung präventiver Hausbesuche für Seniorinnen und Senioren der Politik vorgelegt. Ziel ist es, älteren Menschen frühzeitig Unterstützung anzubieten, ihre Selbstständigkeit zu stärken und ihre Lebensqualität langfristig zu sichern. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels wächst auch in Reinbek der Anteil älterer Menschen kontinuierlich. Bereits heute ist ein signifikanter Teil der Bevölkerung über 60 Jahre alt, insbesondere die Gruppe der Hochaltrigen nimmt deutlich zu. Mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in das Rentenalter wird sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter verstärken. Umso wichtiger ist eine vorausschauende und gut organisierte kommunale Seniorenarbeit. Die geplanten präventiven Hausbesuche stellen dabei einen zentralen Baustein dar. Sie sollen dazu beitragen, altersbedingte Schwierigkeiten frühzeitig zu erkennen, ihnen vorzubeugen oder sie zu mildern. Gleichzeitig fördern sie die selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Im Rahmen der Besuche werden Themen wie körperliche und seelische Gesundheit, Wohnsituation, soziale Lage sowie finanzielle Fragen angesprochen. Qualifizierte Fachkräfte aus Wohlfahrtsverbänden könnten die Hausbesuche übernehmen. Erfahrungen aus anderen Städten zeigen, dass dieses Konzept erfolgreich ist: In Schleswig-Holstein gibt es vergleichbare Angebote bereits unter anderem in Neumünster, Norderstedt und Lübeck, während Hamburg seit Jahren flächendeckend präventive Hausbesuche durchführt. Doch bislang fehlen die finanziellen Mittel für die Umsetzung, denn die Begleitung der Menschen erfordert Professionalität. »Wir möchten, dass dieses Thema an Fahrt aufnimmt«, so Michael Hölzel, Vorsitzender des Seniorenbeirats. Ein aktueller Informationsflyer bündelt bereits auf einer Sonderseite Hilfs- und Unterstützungsangebote gegen Einsamkeit. Dazu zählen beispielsweise Gesprächsangebote, Wandergruppen oder digitale Beratungen. Die Übersicht soll regelmäßig aktualisiert werden und Betroffenen sowie Angehörigen Orientierung bieten. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Organisation besonderer Veranstaltungen. Geplant sind mehrere »Erlebnisnachmittage«, die unterhaltsame und informative Inhalte verbinden. Themen reichen von kulturellen Einblicken bis hin zu konkreten Hilfsangeboten. Auch bestehende Formate wie gemeinsame Frühstückstreffen sollen stärker genutzt werden, um über Einsamkeit zu informieren und niedrigschwellige Begegnungen zu ermöglichen. »Niemand plant, einsam zu sein – umso wichtiger ist es, als Gesellschaft aufmerksam zu bleiben und aktiv gegenzusteuern«, so Kurt Martens, Pressesprecher des Seniorenbeirats in Reinbek.
Neben diesem Kernthema bringt der Seniorenbeirat weiterhin zahlreiche Anliegen in die politische Diskussion ein. Aktuell stehen Mobilität, Hitzeschutz und öffentliche Toiletten im Fokus. Dazu zählen unter anderem Barrierefreiheit, taktile Wegführung, die Verbesserung der Fahrradwege sowie der öffentliche Personennahverkehr. Angesichts zunehmender Hitzewellen infolge des Klimawandels fordert der Seniorenbeirat kurzfristige und wirksame Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung. Besonders ältere Menschen sind von gesundheitlichen Risiken durch extreme Hitze betroffen. Trinkwasserbrunnen, Wasserspender und kühle Orte können hier Abhilfe schaffen. »Viele Menschen sind sich nicht bewusst, dass sie sich schützen müssen«, sagt Dr. Heinz-Dieter Weigert, stellvertretender Vorsitzender des Seniorenbeirats. In einem Antrag an den Ausschuss für Umwelt und Verkehrsplanung hat sich der Seniorenbeirat bereits 2024 für öffentliche Wasserspender an stark frequentierten Orten im Stadtgebiet ausgesprochen. Als Standorte wurden unter anderem Rosenplatz, Bahnhof und Täbyplatz genannt. Doch auch hier fehlen bislang die finanziellen Mittel. Ähnlich gestaltet sich die Situation beim Thema öffentliche Toiletten. Diese verursachen Kosten und erfordern eine dauerhafte Pflege und Reinigung, eine Lösung steht bislang noch aus.
Der Seniorenbeirat wird nicht müde, sich für die Bedürfnisse der älteren Generation einzusetzen. Demnächst soll ein Fragebogen versendet werden, der direkt bei den Menschen erfragt, wie die Lebensqualität der Seniorinnen und Senioren in der Stadt verbessert werden kann. Um die Themen voranzubringen steht künftig ein regelmäßiger Austausch mit Bürgermeister Warmer an. Der Seniorenbeirat ist per eMail unter sb@jrh-reinbek.de oder unter Tel. 04101-6033 erreichbar.