Gemeinschaftsschule Wentorf
Mit Optimismus und offenem Blick
, von Imke Kuhlmann

Wentorf – Wenn Stephanie Zumblick über ihren Alltag spricht, klingt vieles nach Organisation, Verantwortung und langen Arbeitstagen. Doch da ist auch diese kleine Auszeit, die sie sich regelmäßig nimmt. Sie joggt durch Wentorf. »Viermal in der Woche ungefähr«, sagt die 56-Jährige. Manchmal begegnen ihr dabei Schülerinnen und Schüler oder Eltern. Dass sie ihre Schulleiterin plötzlich in Laufkleidung sehen, sorgt dann schon ab und an für Aufmerksamkeit. Für sie ist die Runde vor allem eines: den Kopf freizubekommen.
Seit mehr als 30 Jahren lebt sie in Wentorf. Geboren wurde Stephanie Zumblick in Hamm in Nordrhein-Westfalen. Nach dem Abitur ging sie in den 1980er-Jahren zunächst für einige Jahre nach Sylt. Sie suchte zunächst Orientierung, bevor sie den Schritt in den Beruf machte. »Ich wollte rechts und links gucken«, sagt sie. Doch eigentlich stand bereits fest, dass sie Lehrerin werden wollte. Die Jahre auf Sylt gaben ihr die Möglichkeit, Erfahrungen zu sammeln. Zurück aus Sylt studierte sie in Hamburg Lehramt in den Fächern Mathematik und Biologie. Und sie wurde früh Mutter. Ihre beiden Kinder sind heute 34 und 32 Jahre alt.
Nach dem Referendariat führte sie ihr beruflicher Weg nach Schwarzenbek. Dort begann die Lehrerin an der damaligen Friedrich-Wilhelm-Compe-Schule, einer Grund- und Hauptschule. Später wechselte sie an die Realschule und arbeitete am Aufbau der Gemeinschaftsschule mit. In ihrer Zeit in Schwarzenbek übernahm Zumblick zunehmend Verantwortung. Zunächst war sie Fachleiterin für Biologie, später für Mathematik. Einige Jahre arbeitete sie als Ausbildungslehrkraft für angehende Lehrkräfte. Danach war sie als Koordinatorin für die Jahrgänge acht bis zehn tätig und begleitete dort auch die Abschlussprüfungen.
Dann kam der Wechsel nach Wentorf. Im Juli des vergangenen Jahres trat sie die Stelle der stellvertretenden Schulleiterin an. Sie hatte sich darauf beworben. Dass gleichzeitig die damalige Schulleiterin ihren Abschied ankündigte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar. Sie wurde deshalb zunächst kommissarische Schulleiterin. Im Herbst wurde die Stelle der Schulleitung ausgeschrieben und Zumblick bewarb sich wieder. Seit dem 1. August ist sie nun offiziell Schulleiterin.
Die Zusammenarbeit mit Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Eltern und den weiteren an Schule Beteiligten habe von Beginn an gut funktioniert. »Das ist eine schöne Arbeitsatmosphäre hier«, sagt sie. Dabei kam sie nicht in eine Schule ohne Baustellen. Fragen zur Zukunft des Schulgebäudes, zur Sanierung beziehungsweise einem möglichen Neubau und die schwierige Situation bei den Sportflächen beschäftigen die Schule seit Längerem. Zumblick wusste davon. Bereits im Vorfeld hörte sie sich die unterschiedlichen Positionen von Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Eltern und auch aus der Politik an.
Beim Thema Sport hat sich inzwischen etwas bewegt. Gemeinsam mit der Leitung der Grundschule und weiteren Beteiligten konnten Nutzungszeiten anderer Sportflächen organisiert werden. So sei es gelungen, den Unterricht wieder vollständig abzudecken. Alle Klassen haben durchgehend zwei Sportstunden, insgesamt wird das vorgesehene Stundenkontingent wieder erfüllt. Auch bei der Schulentwicklung setzt Zumblick Akzente. Ein Beispiel ist das sogenannte Frei Day-Konzept. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten dabei an eigenen Projekten zu den 17 Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Der Unterricht findet in einem bewertungsfreien Raum statt. Das Konzept wurde gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern, Eltern und Lehrkräften entwickelt und in der Schulkonferenz beschlossen. Inzwischen nehmen die fünften und sechsten Klassen daran teil, dazu ein Probejahrgang sieben. Für dieses Engagement wurde die Schule im vergangenen Jahr als »Zukunftsschule« ausgezeichnet.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung. Der Computerraum wurde neu ausgestattet, ein Lernmanagementsystem eingeführt und das Fach Informatik für die Jahrgänge sieben und acht neu etabliert. Das digitale Lernen soll dabei nicht nur in der Schule stattfinden. Die Schülerinnen und Schüler können ihre Zugänge auch zu Hause nutzen. Noch befindet sich das System im Aufbau. Für Zumblick gehört dazu deshalb auch, die Lehrkräfte entsprechend fortzubilden. Digitalisierung bedeutet für sie allerdings nicht, dass Smartphones im Schulalltag ständig präsent sein müssen. An der Schule gibt es eine abschließbare »Handygarage«. Morgens geben die Schülerinnen und Schüler ihre Geräte ab, nach dem Unterricht bekommen sie sie zurück. Für Notfälle bleibt eine Nutzung möglich. Gleichzeitig stehen iPads und Computer für den Unterricht zur Verfügung. So soll ein Unterschied geschaffen werden zwischen digitalem Lernen und der Ablenkung durch soziale Medien.
Bei aller Verantwortung für die Schule bleibt Zumblick selbst Lehrerin. Derzeit unterrichtet sie eine fünfte Klasse in Mathematik. Zusätzlich übernimmt sie Vertretungsstunden, um möglichst viele Klassen und Schülerinnen und Schüler kennenzulernen. Ihr Arbeitstag beginnt früh. Spätestens um sieben Uhr ist sie in der Schule. Wann Feierabend ist, hängt davon ab, was ansteht. Manchmal arbeitet sie abends weiter, manchmal zu Hause. Auch privat sucht Zumblick den Ausgleich gern draußen. Sie hat einen Garten, in dem sie Gemüse anbaut. Im Januar beginnt sie mit den ersten Paprika- und Selleriesamen, später folgen Tomaten, Gurken und Zucchini. »Das erdet«, sagt sie und meint das durchaus wörtlich.
»Ich bin durchweg ein optimistischer, positiver Mensch«, sagt Stephanie Zumblick. Probleme gebe es an vielen Schulen, das habe sie zuletzt auch bei einer Fortbildung für neue Schulleitungen erlebt. Entscheidend sei für sie, gemeinsam nach Lösungen zu suchen und offen für andere Perspektiven zu bleiben. »Es wird sich für alles eine Lösung finden«, sagt sie. Manchmal dauere es, manchmal komme die Lösung völlig unerwartet. Für die neue Schulleiterin gehört dazu auch, Ideen aus unterschiedlichen Richtungen anzunehmen.