Michael-Kapelle in Ohe
Abschied von Pastor Davis
, von Imke Kuhlmann

Ohe – Es ist ein Abschied, der schwerfällt. Nicht nur dem Pastor selbst. Auch den Menschen, die ihm in den vergangenen Jahren begegnet sind, mit ihm Gottesdienste gefeiert, Kinder getauft, Angehörige verabschiedet, gelacht, geweint und gemeinsam angepackt haben. Fast sieben Jahre war er Pastor in Ohe. »Der Abschied ist mir nicht leichtgefallen«, sagt Siaquiyah Davis. Nun geht er und hinterlässt eine Lücke, die zunächst nicht geschlossen werden soll.
Am 23. August, 14 Uhr, wird es in der Michael-Kapelle in Ohe noch einmal persönlich. Dann findet ein Abschiedsgottesdienst statt. Im Anschluss an den Gottesdienst ist auf dem Rasen vor der Kirche mit der Kirchengemeinde ein Beisammensein organisiert. Für Kuchen und Getränke ist gesorgt. Für den Pastor ist es ein Abschied von einer Gemeinde, die ihm längst vertraut geworden ist. Für die Gemeinde ist es der Abschied von einem Menschen, der nicht nur sonntags auf der Kanzel stand, sondern mittendrin war. »Wir hätten alles dafür gegeben, dass er bleibt«, sagt Peter Bahr vom Bürgerverein. Der Pastor habe sich immer eingebracht, wenn es etwas zu tun gab. Gemeinsam gestalteten sie Adventsfeiern und Erntedankfeste oder Sommergottesdienste. Sogar der Kirchgarten wurde zusammen gepflegt. Siaquiyah Davis erklärt, die Entscheidung habe auch mit seiner Frau und den vier Kindern zu tun, die in Eidelstedt leben. Bis zu anderthalb Stunden Fahrtweg hat er nach Ohe. Doch auch die berufliche Situation schwingt mit. Er hatte von Anfang an nur eine halbe Stelle. Durch die Zusammenlegung der Kirchen und der Neuordnung in Kirchenregionen und Pfarrsprengel ist Veränderung vorhersehbar. Nun hat sich für ihn die Möglichkeit ergeben, in Eidelstedt eine volle Stelle zu übernehmen. Und trotzdem ist er traurig. Ohe ist für ihn längst mehr als ein Arbeitsplatz. »Man konnte feiern, trauern, mit Menschen auch weinen«, erzählt er. In den vergangenen Jahren habe er alle Stationen des Lebens mit den Menschen erlebt. Besonders dankbar sei er für die Offenheit, die ihm die Gemeinde entgegengebracht habe.
Doch hinter dem persönlichen Abschied steht eine viel größere Veränderung. Die evangelische Kirche steht unter Druck. Die Zahl der Mitglieder sinkt, die finanziellen Möglichkeiten werden geringer und gleichzeitig gibt es immer weniger Pastorinnen und Pastoren. Was früher selbstverständlich war – eine Kirche, eine Gemeinde, ein Pastor – funktioniert vielerorts nicht mehr. In der Region müssen sich künftig fünf Pastoren sieben Kirchengemeinden teilen, aktuell sind nur vier im Dienst. Die Pfarrstelle in Ohe wird nicht neu besetzt. Drei Pastoren haben kürzlich die Gemeinden verlassen, neben Pastor Davis waren es auch Bente Küster aus der Kirchengemeinde Reinbek West und Marielene Göhring aus Barsbüttel. Nur eine Stelle wird nachbesetzt. Damit verändert sich der Alltag der Gemeinde. Gottesdienste, Konfirmandenunterricht, Seniorenarbeit, Seelsorge, Veranstaltungen und die vielen kleinen Begegnungen, die eine Kirchengemeinde ausmachen, müssen neu organisiert werden.
Und so will sich auch Ohe neu organisieren. Die Idee: die Kirche zusätzlich anders nutzen, für Konzerte, Lesungen oder Filmabende. Ein Treffpunkt also, der auch Menschen erreicht, die vielleicht nicht regelmäßig zum Gottesdienst kommen. Im Oktober soll es dazu ein Treffen mit dem Kirchengemeinderat geben. Gemeinsam soll überlegt werden, wie die nächste Zeit gestaltet werden kann.