Aumühler Kirche

Geh aus mein Herz…

, von Leif Sandtner

FOTO: Paul-Gerhardt-Gesellschaft

Aumühle – Sänger war er vermutlich (in seinen Gottesdiensten), Songwriter hundertprozentig. Und wir kennen die Texte dieses studierten Theologen der streng evangelisch-lutherischen Lesart: »Geh aus, mein Herz«, »Du, meine Seele, singe«, »Oh Haupt voll Blut und Wunden», »Die güldne Sonne», »Ich steh‘ an deiner Krippen hier», um nur einige zu nennen. Im evangelischen Gesangbuch sind 30 Lieder von Martin Luther und 26 von ihm, Paul Gerhardt (1607-1676). In seinem 350. Todesjahr († 27.5.1676) wird in den evangelischen Gottesdiensten an diesen, einem (neben Martin Luther) der bekanntesten protestantischen, deutschsprachigen Kirchenlieddichter, erinnert, werden seine Lieder in vielfältiger Weise immer wieder erklingen, wird sein Werk gewürdigt. In der Aumühler Kirche geht es am 3. Mai beim regionalen Open-Air-Gottesdienst los.

Paul Gerhardt, Sohn eines bürgermeisterlich aktiven Kleinbauern und Gastwirts in Gräfenhainichen, hatte kein leichtes Leben. Bereits als 12-Jähriger verlor er seinen Vater, zwei Jahre später seine Mutter. Von seinen eigenen vier Kindern starben drei schon in frühester Kindheit. Sein Bekenntnis zum Luthertum – die brandenburgische Staatsreligion (cuius regio, eius religio) war zu dieser Zeit reformiert-calvinistisch und Gerhardt war nicht nur ein Dichter und Theologe, er war auch ein Untertan – kostete ihn z.B. seine gutbezahlte Stelle als Prediger in Berlin (1667). Trotz der Erfahrungen von Tod, Pest, Krankheit und Verlusten in den Wirren und Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges artikulierte Gerhardt in seinen Gedichten eine tiefe Sehnsucht nach dem unumstößlichen Vertrauen in die göttliche Führung der menschlichen Geschicke – und traf mit dieser Art von Gottvertrauen den Nerv der Zeit. Seine Verse hatten und haben Trostpotential und sind in ihrer Schlichtheit, Gefühlswärme und Singbarkeit zu richtigen Volksliedern geworden. Nicht wie Luther’s »Ein feste Burg…« – mehr eben wie »Geh aus mein Herz…«

Wegweisend war seine Verbindung zu Johann Crüger, dem hochgebildeten Berliner Musiker, Kantor und Musikdirektor, der 1647 in der zweiten Auflage seines Gesangbuchs »Praxis Pietatis Melica« Gedichte von Gerhardt mit eigenen Melodien veröffentlichte. Crüger »entdeckte« Gerhardt sozusagen, »erweckte« seine Dichtergabe. Resultat: Eine langjährige, inspirierende Arbeitsgemeinschaft, gewinnbringend für beide Seiten.

Übrigens: Im Kirchenkreis Sachsenwald ist Paul Gerhardt demnächst auch digital präsent. Mit einer kleinen Instagramm-Reihe, in der die lokalen KirchenmusikerInnen ihren »Lieblings-Gerhardt« vorstellen.

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