Seenotrettung im Mittelmeer

Reinbeker setzen ein Zeichen für Menschenwürde

, von Susanne Nowacki

Vertreter aus Politik und Rathaus empfingen die Besucher der gleichzeitigen AfD-Veranstaltung im Reinbeker Schloss mit einem Banner-Spalier. FOTO: Susanne Nowacki

Reinbek – Sie wollten ein Zeichen setzen gegen eine AfD-Veranstaltung im Reinbeker Schloss, dem bekannten Aushängeschild Reinbeks. Gut 300 Gäste aus Reinbek, umliegenden Orten und aus Hamburg kamen zur »Party der Vielfalt« ins Reinbeker Jugendzentrum, zu der ein breites Bündnis aus Parteien – von den Linken bis zur CDU, Kirchengemeinden, Gewerkschaften und Organisationen kurzfristig aufgerufen hatte.

Juristisch war es nicht möglich, die Veranstaltung der »Alternative für Deutschland« im Schloss zu verhindern. Dazu wird es in Reinbek weitere Diskussionen geben. »Wir wollen es uns aber nicht nehmen lassen, auch politische Veranstaltungen im Schloss durchzuführen. Das Schloss ist ein offenes Haus, aber es darf nicht missbraucht werden«, betonte Günther Herder-Alpen (Bündnis 90/ Die Grünen).

Jörg Nobis, Kapitän und Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion, hielt im Schloss einen Vortrag zum Thema »Retter oder Schlepper? Seenotrettung im Mittelmeer«. Den Besuchern der AfD-Veranstaltung bereiteten mehrere Organisationen wie die »Omas gegen Rechts« oder die Linke, Gewerkschaften und Politiker aus Reinbek und Wentorf ein Empfangsspalier mit Plakaten und Bannern wie dem CDU-Banner »Hass ist keine Alternative.«

Bürgermeister Björn Warmer betonte in seinem kurzen Grußwort: »Vielfalt ist Reinbek. Ja, man braucht Mut, sich den rechten Hetzern entgegenzustellen. Aber es ist einfacher, wenn wir viele sind!« Das sollen auch im Stadtgebiet aufgestellte Plakate »Reinbek zeigt Gesicht« verdeutlichen. »Wir wollen als Demokraten überzeugen und geben niemanden auf. Wir reichen jedem die Hand, wir können als Demokraten nicht anders.«

»Die AfD setzt auf billige Themen, diffamiert und hetzt«, betonte Reinbeks Bürgervorsteher Christoph Kölsch (CDU). »Wir stehen Schulter an Schulter und zeigen: wir sind mehr!«

Ingo Werth vom Seenotrettungsverein RESQSHIP aus Hamburg-Bergedorf war begeistert angesichts der vielen Menschen, die sich im Jugendzentrum neben dem Reinbeker Schloss eingefunden hatten. »Das ist heute eine historische Veranstaltung. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals eine Veranstaltung zusammen mit der CDU gemacht habe.« Werth betonte, dass Seenotrettung von Flüchtlingen, wie sie seit Jahren im Mittelmeer von privaten, spendenfinanzierten Organisationen durchgeführt wird, völlig unpolitisch und ein Akt der Humanität ist. »Die AfD ist Brandstifter und missbraucht die Seenotrettung politisch!« Die Seenotrettung als Taxi oder Shuttledienst für Migranten zu bezeichnen, sei menschenverachtend. »Die verzweifelten Menschen wollen lieber im Mittelmeer ertrinken, als nach Libyen in die Lager zurückgebracht zu werden.«

CDU-Landtagsabgeordneter Lukas Kilian betonte: »Wir müssen alle an einem Strang ziehen, wenn es um Angriffe gegen die Menschlichkeit geht. Das Engagement der Seenotretter ist unfassbar wichtig und wir können stolz sein, dass es aus der Mitte unserer Gesellschaft kommt. Die EU versagt hier komplett.«

Für den SPD- Landtagsabgeordneten Martin Habersaat, gilt nicht mehr »Wehret den Anfängen – darüber sind wir schon längst hinaus. Wir müssen uns für eine Welt einsetzen, in der unsere Kinder in Toleranz und Frieden leben können.«

Für die Kirchen betonte Pastorin Bente Küster von der Kirchengemeinde Reinbek-West: »Wir lassen uns nicht von Hass bestimmen. Über uns allen geht derselbe Himmel auf.« Sie erinnerte an den Abschluss des Evangelischen Kirchentags 2019 in Dortmund: »Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt!« Nicht die sollten sich rechtfertigen, die Menschen retten, sondern diejenigen, die versuchen, das zu verhindern, forderte Pastorin Küster.
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In Reinbek ist heute ein neues Wir-Gefühl entstanden. Lasst uns das bewahren!«, rief Mitorganisator Günther Herder-Alpen den Besuchern zu, bevor die »Party der Vielfalt« mit dem Auftritt der »sanften Rebellin« Schwessi und ihrem Song »Komm, wir werden jetzt Freunde«, zum gemütlichen Teil mit vielen Gesprächen überging.


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