Menschen bei uns

»Ich will den Menschen helfen, die täglich für andere in der ersten Reihe stehen.«

, von Imke Kuhlmann

Matthias Walda mit einem Spuckschutz und seinem neuesten Produkt, dem Gesichtsschutz. FOTO: Imke Kuhlmann

Börnsen – »Als mir klar wurde, welche Konsequenzen die Corona-Krise für die Wirtschaft haben kann, hatte ich schlichtweg Angst«, sagt Matthias Walda. Dass er mit einem Ladenhüter sein Unternehmen durch die Krise bringen könne, war ihm vor drei Wochen noch nicht klar. Walda leitet zusammen mit seiner Lebensgefährtin Ines Teuschler das Unternehmen Acrylglas Hamburg in Börnsen. Die Idee, dass ein Spuckschutz, den vor acht Jahren niemand haben wollte, jetzt vielen Händlern, Arztpraxen oder Bankfilialen helfen können würde, kam ihm auf einem Spaziergang mit seinem Hund, der ihn an einer Apotheke vorbei führte.

Vor zehn Jahren hat das Paar die Produktion von Acrylglasprodukten gestartet. »Aufsteller, Zahlteller, Bootsfenster aber auch Abdeckhauben für das Miniaturwunderland und natürlich Sonderanfertigungen haben wir im Sortiment«, berichtet der 44-jährige. Die Idee für den Spuckschutz, der ihm nun aus den Händen gerissen wird, kam ihm bei einer großen Grippewelle. »Ich habe mich immer gewundert, das beispielsweise Apotheker sich wenig schützen«, sagt er. Doch damals war die Zeit noch nicht reif. Inzwischen hat er eine Vielzahl von Geschäften, Apotheken oder Bäckereien mit seinem Spuckschutz ausgestattet.

»Mein oberstes Ziel war es, mit der Produktion die Arbeitsplätze meiner Mitarbeiter zu sichern«, sagt er. Er sei froh, aktuell keine Kurzarbeit anmelden zu müssen. Vor Aufträgen kann er sich gerade nicht retten und so arbeitet das Unternehmen quasi rund um die Uhr. »Es ist großartig, wie die Mitarbeiter mitziehen«, so Walda. Dass er das zu schätzen weiß, hat er seiner Crew gerade mit einer Sonderzahlung bewiesen. Seinen Umsatz könnte er noch weiter ausbauen, wenn er die Preise anziehen würde. Für den Geschäftsmann ist das jedoch keine Option. »Ich will doch aus der Krise keinen Profit ziehen, das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren«, sagt er. Die Preise seien schon seit fünf Jahren stabil. »Abweichungen gibt es nur, wenn sich die Preise beim Rohmaterial ändern«, berichtet der Kunststofftechniker. Sein oberstes Ziel sei es, zu helfen. Den Menschen, die täglich für andere in der ersten Reihe stehen, seinen Mitarbeitern, indem er die Arbeitsplätze sichert und letztendlich jedem einzelnen, damit das Virus keine Chance hat, sich schneller auszubreiten. »Wenn ich nur ein bisschen dazu beitragen kann, Menschen vor dem Virus zu schützen, so bin ich dankbar«, sagt er. Darum hat er Anfragen von Firmen, exklusiv für sie zu arbeiten, abgelehnt. »Ich möchte allen Menschen helfen können, die zu mir kommen«, so Walda.

Die Bestellungen werden innerhalb eines Tages ausgeführt. Das Material wird gesägt, gefräst und entgratet, damit es nicht mehr scharfkantig ist. Auch für individuelle Anfragen ist das Unternehmen nach wie vor bereit, denn auch in der Krise bleibt der Kunde König. Matthias Walda ist zu Beginn gleich in die Offensive gegangen und hatte auf Risiko eine große Menge an Acrylglasplatten geordert. Er wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob sein ehemaliger Ladenhüter nun zum Renner wird. Doch schon am ersten Tag, als er den Spuckschutz auf seine Internetseite stellte, war er ohne Werbung bei einer bekannten Internetsuchmaschine auf Platz eins gelandet, das Telefon stand nicht mehr still. Seine Öffnungszeiten hat er sofort angepasst und ist nicht nur täglich bis 21 Uhr erreichbar, auch am Wochenende geht er ans Telefon.

Und obwohl Matthias Walda und Ines Teuschler zur Zeit mit wenig Schlaf auskommen müssen, so haben sie neben der Produktion der Spuckschutze bereits ein neues Produkt kreiert, das in der Krise Menschen schützen kann. Aus PETG (das Material wird auch für Kunststofftrinkflaschen verwendet) und Gurtband stellen sie jetzt Gesichtsschutz her. »Besonders für Pflegeeinrichtungen und Ärzte sind diese Masken hilfreich, denn dort kommen sich die Menschen sehr nah. Dieser Gesichtsschutz kann Tröpfchen abhalten«, erklärt er. 100 Bestellungen sind bereits eingetrudelt. Beworben hat er die Idee bislang nicht. Besonders stolz ist er auf den Preis. »Er liegt unter 20 Euro«, sagt er. Damit sei er sogar dem internationalen Wettbewerb gewachsen.

Trotz aller Kreativität und der damit verbundenen wirtschaftlichen Rentabilität wünscht sich Matthias Walda nur eins: »Dass diese Krise, die Sorge um das Virus so schnell wie möglich vorbei geht«. Die Dankschreiben der Kunden sind für ihn die größte Belohnung.

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