Menschen bei uns

»You can. Follow your dreams. Just do it.«

, von Christa Möller

Amin Rahimifard und Jana Glogowski haben ein großes gemeinsames Hobby: Volleyball beim SC Wentorf. FOTO: Christa Möller

Wentorf – Bei Begriffen wie Satz und Punkt denkt Amin Rahimifard nicht an Grammatik. Der 19-jährige Iraner ist leidenschaftlicher Volleyballer und so lernte er auch schnell, was Baggern oder Matchball bedeutet. Schuld hat, gewissermaßen, sein Vater. Er hatte dem damals Dreizehnjährigen die Sportart vorgeschlagen, »weil ich so groß bin.«

Dass dies die richtige Entscheidung war, stellte sich schnell heraus: Sein Sohn war mit soviel Engagement dabei, dass er es für eine Saison bis in die Superliga des Iran schaffte. Eine große Rolle dabei spielte sein Trainer, zu dem er auch außerhalb des Sports eine enge Verbindung hatte. Schließlich folgte er ihm auch auf religiösem Gebiet: Er konvertierte, übrigens als einziger in seiner Familie, vom Islam zum Christentum.

Eine folgenschwere Entscheidung, denn das ist dort verboten, Christen werden im Iran verfolgt. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, dann verschwand der Trainer – Amin hörte nie wieder von ihm. Im Sommer 2018, ein Jahr nach der Konvertierung, musste der junge Iraner fliehen. Ein halbes Jahr lang war er unterwegs und dabei ganz auf sich allein gestellt, denn die Eltern und die Schwester sind im Iran geblieben.

»Über die Türkei bin ich mit einem Lastwagen nach Serbien gefahren, dann mit einem kleinen Boot nach Bosnien. Dann per Auto und zu Fuß nach Ost-Deutschland«, erinnert sich Amin. »Problematisch« sei die Flucht gewesen, erzählt er. Für eine detailiertere Schilderung fehlen ihm buchstäblich die Worte. Schließlich folgten Stationen in Neumünster, Boostedt und Gudow, bevor das Volleyball-Nachwuchstalent im Dezember 2018 in Wentorf ein neues Zuhause fand.

Inzwischen hat er schon gut Deutsch gelernt und bereits die ersten drei Sprachprüfungen bestanden, obwohl er bislang nur die Kurse für A1 und A2 absolvierte. Trotzdem möchte er den fehlenden B1-Kursus nachholen, er ist wissbegierig, will weiter lernen und danach gern eine Ausbildung zum Physiotherapeuten machen. Jedoch ist inzwischen seine Aufenthaltserlaubnis abgelaufen, gegen die drohende Abschiebung ist eine Klage anhängig.

Ablenkung von seinen Sorgen findet er beim Volleyball. »Das ist mein Lieblingssport«, erzählt Amin lachend. Hat er ein Erfolgsrezept? »Ich spiele einfach«, sagt Amin bescheiden. Mit Alexander Brüggmann vom SC Wentorf hat er sich gleich gut verstanden, auch privat. »Er hat mich sehr unterstützt.« Amin spielt mit ihm in der 2. Herrenmannschaft, die von Peter Wierich trainiert wird, der gemeinsam mit den weiteren Mannschaftsmitgliedern die Kosten für die rechtliche Beratung und das Klageverfahren trägt.

Als Trainer ist auch Amin ehrenamtlich im Einsatz: Seit einem halben Jahr trainiert er mit Alexander Brüggmann zweimal in der Woche die 16- bis 30-jährigen Volleyballdamen und außerdem leitet er das wöchentliche Training der Acht- bis 14-Jährigen in der Jugendmannschaft. »Es bringt Spaß zu sehen, wenn sie besser werden, neue Sachen lernen«, sagt er über seine Schützlinge. »Das ist interessant für mich.« Sprachprobleme gibt es beim Training nicht, die Volleyballer verständigen sich über ihren Sport.

Die Bergedorferin Jana Glogowski trainiert seit zwei Jahren beim SC Wentorf in der Damenmannschaft. »Amin ist immer bei der Sache und sehr ehrgeizig«, hat sie festgestellt und ergänzt: »Er möchte, dass man sehr viel lernt, sehr schnell.« Aber er hat auch viel Geduld. »Weil er sehr erfolgreich war im Iran, kann er sehr viel weitervermitteln. Eigentlich will er immer gewinnen, dafür tut er viel«, sagt die 27-Jährige Jura-Studentin begeistert.

In der vergangenen Saison hat der 19-Jährige ein Angebot als Spieler in der 3. Liga beim Eimsbütteler Turnverein abgelehnt, (der ESV hat gute Chancen, in die zweite Liga aufzusteigen und suchte zwecks Unterstützung einen starken Spieler), weil er lieber in Wentorf bleiben wollte, wo er sich bereits gut auch in die Mannschaft integriert hat. Vielleicht steht dennoch irgendwann ein Wechsel an: »Nächstes Jahr möchte ich in einer höheren Liga spielen«, sagt der junge Volleyballer, der über den Sport viele Freunde gefunden hat und sich auch außerhalb des Spielbetriebes gern mit anderen Sportlern trifft. Regelmäßig geht er außerdem zum Gottesdienst in der Martin Luther-Kirche. In der Kirchengemeinde bekam er ebenfalls viel Hilfe.

Was Amin Rahimifard sich für die Zukunft wünscht? »Eine eigene Wohnung, einen Arbeitsplatz. Ganz normal. Nur das…«

Über seinem Bett hat er einen Zettel aufgehängt mit den Worten »Amin, you can. Follow your dreams. Just do it.«


Schlagwörter