Menschen bei uns

»Ich bin für mein Leben gern Priester«

, von Imke Kuhlmann

Fröhlich, schlagfertig, offen für alle Themen sitzt Kaplan Ferdinand Moskopf im Kirchenbüro und erzählt von seiner Arbeit. FOTO: Imke Kuhlmann

Reinbek – Kaplan Ferdinand Moskopf tritt in die Fußstapfen seines Vaters. Peter Moskopf (64) ist katholischer Pfarrer in Rendsburg. Das scheint verwunderlich, denn eigentlich verpflichten sich Pfarrer zum Zölibat, der Ehelosigkeit.

Moskopf senior ist verheiratet, hat drei Kinder und das ganz offiziell. Er war evangelischer Pastor bis er im Jahr 2000 mit seiner Familie zum katholischen Glauben konvertierte. »Wir haben als Familie festgestellt, dass der katholische Glaube weitreichender ist. In den evangelischen Gemeinden konzentriert sich das Gemeindeleben auf die jeweilige Kirche und ist eher ortsgebunden. Das reichte uns nicht mehr aus«, erklärt sein Sohn Ferdinand. Er war zwölf, als die Familie die Entscheidung traf.

Ferdinand Moskopf (31) wurde in Henstedt-Ulzburg geboren und wuchs in Büchen und später in Lübeck auf. Auch seine Geschwister sind heute noch der Kirche treu. Sein älterer Bruder Florian ist Kirchenmusiker, seine jüngere Schwester Astrid arbeitet bei einem christlichen Radiosender. Er selbst ist Kaplan und Priester. »Priester sind wir, wenn wir das Weihsakrament empfangen haben. Die Leiter der Pfarrei heißen Pfarrer, Pastor, Kaplan oder Vikar, je nach Aufgabengebiet«, erklärt Moskopf einige Funktionen in der katholischen Kirche.

Schon als Jugendlicher wusste er, dass er die kirchliche Laufbahn einschlagen möchte. »Wohin die Reise gehen würde, war mir noch nicht ganz klar, ich dachte mir einfach, das muss ich ausprobieren und wenn es das nicht gewesen wäre, hätte ich mir etwas anderes überlegt.« Moskopf sagt von sich selber, er sein ein spontaner Mensch, er plane nicht alles voraus. So auch seinen Weg zum Pfarrer. »Wenn es soweit ist, ist es gut so. Ich habe noch 43 Jahre vor mir, da habe ich keine Eile«, erzählt der Kaplan. Bis zum Alter von 75 Jahren sind die Geistlichen in den Gemeinden im Amt.

Und so studierte er Theologie mit dem Ziel, Pfarrer zu werden. »Mich hat vor allem die Philosophie und die Sprache der Theologie interessiert«, erzählt der Kaplan. Dass er sich mit dem Lebensweg dem Zölibat verpflichtet, war ihm durchaus klar. »Natürlich habe ich mir die Frage gestellt, ob ich das will. Ob ich mir eine Beziehung vorstellen kann oder ob ich selber eine Familie gründen möchte«, sagt er. Doch er sei glücklich mit seiner Entscheidung. »Ich möchte mich nicht an einen Menschen binden – ich möchte für viele Menschen da sein«, so Moskopf. Er sei kein Typ für eine Beziehung. Für ihn seien seine Freunde, zu denen auch Frauen zählen, wichtig.

Fröhlich, schlagfertig, offen für alle Themen sitzt er im Kirchenbüro und erzählt von seiner Arbeit. Die Priesterweihe empfing er 2015, inzwischen ist er schon knapp sechs Jahre lang Kaplan. Der nächste Schritt wäre der Pfarrer. Seelsorge, Messen feiern, Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen – so sieht der Alltag des Priesters aus. Zuständig ist er mit dem Pfarrer und dem Pastor im Team für zehn katholische Gemeinden in der Region. Dort feiert er mit den Gläubigen Messen.

Momentan hat er einen Schwerpunkt noch in der Jugendarbeit. In wenigen Tagen wird er 32 Jahre jung und hat einen guten Draht zu den jungen Menschen. Mit seinen Jugendgruppen war er schon mehrmals in der Vatikanstadt. Dem Papst einmal persönlich zu begegnen würde ihn beeindrucken. »Aber eigentlich wüsste ich gar nicht, was ich ihn fragen würde«, sagt er.

»Ich bin für mein Leben gern Priester«, sagt der Geistliche, der immer seinen Kollarkragen trägt. »Ich könnte in meiner Freizeit auch im T-Shirt herumlaufen, aber wenn ich dann spontan gebraucht werde, möchte ich würdevoll gekleidet sein.«

Und natürlich hat ein Geistlicher auch Freizeit. Die nutzt er gern zum Kochen mit Freunden und er ist ausgemachter James-Bond-Fan. Seine besondere Leidenschaft jedoch gilt dem Wandern. »Ich habe eine App, die mir Routen je nach Region anzeigt, dann wandere ich einfach los«, so der Kaplan. Für seinen nächsten Urlaub hat er eine besondere Route geplant. »Ich werde ein Stück den Jakobsweg gehen.« Rund 300 Kilometer hat er sich auf dem Camino Primitivo vorgenommen, Schwierigkeitsgrad: schwer. Doch Moskopf ist geübt. »Ich liebe es auf 2500 Metern Höhe die Ruhe zu genießen. Im Urlaub genieße ich die Einsamkeit.

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Moskopf wohnt zusammen mit Pfarrer Markus Diederich (43) im Pfarrhaus der Kirche. »Wir haben eine Art WG«, sagt er und doch habe jeder seine eigene Wohnung. Für ihn sei das eine perfekte Konstellation.

Ob die Kirche moderner geworden sei? »Auf jeden Fall«, sagt Moskopf. Die Katholische Kirche verändere sich. Sonst würde in den Messen beispielsweise immer noch lateinisch gesprochen. »Wenn die Kirche am Menschen bleibt, wird sie sich verändern«, davon ist Moskopf überzeugt. Und er glaube an die Zukunft der Kirche. »Es ist ein Ort, an dem Menschen Sicherheit finden.« Menschen aktiv für die Kirche zu gewinnen hingegen sei nicht sein Anspruch. »Ich bin für die da, die glauben wollen und für die, die suchen und irgendwie bin ich auch selber immer auf der Suche.«

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