Menschen bei uns

»Wer die Natur nicht kennt und liebt, kann sie auch nicht schützen«

, von Christa Möller

Christiane Sturm (li.) malt und zeichnet gern – Naturbilder. »Das hat etwas Meditatives«, hat sie festgestellt. Ebenso wie Marlitt Quistorf ist sie sportlich aktiv – besonders gern in der Natur, versteht sich, also beim Laufen, beziehungsweise Schwimmen oder Radfahren.. FOTO: Christa Möller

Reinbek – Wo in der Umgebung von Reinbek noch Wildblumen wachsen und in welchen Gewässern Libellenlarven und Froschlaich zu finden sind, das wissen viele Kinder nicht und einige waren noch nie im Wald, haben die Umweltschutztechnikerin und Gärtnerin Christiane Sturm und die Diplomingenieurin Marlitt Quistorf festgestellt. Sie sind ehrenamtlich im Naturschutz aktiv und haben vor 20 Jahren die Leitung der BUND-Kindergruppe im Courvoisier-Haus (C-Haus) übernommen. Aus der Zeitung hat Marlitt Quistorf damals erfahren, dass jemand für die BUND-Kindergruppe gesucht wird, während Christiane Sturm dies am BUND-Stand beim Reinbeker Pflanzenmarkt hörte. Sie nahmen Kontakt mit den Grundschulen Klosterbergen und Mühlenredder auf – und die Kinder kamen in Scharen zum ersten Treffen. Zwei Gymnasiastinnen halfen, die über 60 jungen Reinbeker zu betreuen.

Immer dienstags von 16.30 bis 17.30 Uhr treffen sich Sechs- bis Zwölfjährige nachmittags für eine Stunde im Courvoisier-Haus. »Wir erleben die Jahreszeiten, machen viele Aktionen rund um den Naturschutz und im Garten. Im Winter beschäftigen wir uns auch mal im Gruppenraum, werkeln mit Holz, backen oder basteln«, sagt Marlitt Quistorf, die die Kindergruppe inzwischen leitet. Wer Interesse hat, kann gern spontan mitmachen. Zur Seite steht ihr mit dem Reinbeker Hendrik Olsen zurzeit ein Absolvent des Freiwilligen Ökologischen Jahres, der außerdem zwei Tage in der Waldkita und einen Tag im Dünenhaus in Boberg aktiv ist. »Ich habe Spaß daran«, sagt der 18-Jährige, der sich vorstellen kann, später beruflich in diese Richtung zu gehen.

Beide Frauen sind der Stadt Reinbek beziehungsweise der Buhck-Stiftung dankbar dafür, dass sie über diesen langen Zeitraum den Garten und die Räumlichkeiten des Courvoisier-Hauses für die Naturarbeit nutzen dürfen. »Der große, wilde Garten des C-Hauses hat immer einen besonderen Charme für uns und die Kinder dargestellt«, erinnert sich Christiane Sturm, die mit ihrer Familie, sie hat zwei Kinder, seit 1990 in Reinbek lebt und in Niedersachsen geboren ist. »Ich bin in der Naturschutz-Jugend groß geworden«, sagt die 55-Jährige, die unter anderem an der Grundschule in Nettelnburg und als selbstständige Umweltpädagogin arbeitet. Als Jugendliche engagierte sie sich im Vorstand der Naturschutzbund-Landesjugend. »Ich bin immer noch dabei, Neues zu lernen, da hört man ja nie auf«, ergänzt sie lächelnd. Gerade hat sie ihre Naturtherapeuten-Fortbildung beendet.

Vor fünf Jahren haben die beiden tatkräftigen Naturwissenschaftlerinnen den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und ihre Naturwerkstatt zusammen mit zwei Umweltpädagoginnen gegründet (www.naturwerkstatt-reinbek.de). »Die Schulen können uns zu einem bestimmten Thema wie Wald, Wasser, Wiese, Apfel, Getreide oder Insekten buchen«, erläutert Marlitt Quistorf, die neben ihrem Studium noch eine naturerlebnispädagogische Fortbildung gemacht hat. Mit Kita-Kindern oder Schülern und Lehrern geht es dann für einen Schultag in die Natur. Wenn sie im Rahmen der Naturwerkstatt unterwegs sind, ist die Begeisterung groß. »Spätestens bei den Insekten hat man sie«, sagen die Frauen, wenn auch manch einer beim Anblick der ersten Spinne noch kreischt. »Aber dann kommt die Begeisterung.« Die Lehrer seien immer wieder überrascht, wie beruhigend der Wald auf die Schüler wirke, die fasziniert und eifrig dabei sind. Stolz sind die beiden darauf, dass ihre Kurse inzwischen von der Stadt Reinbek unterstützt werden, die pro Kindertagesstätte zwei Veranstaltungen und pro Schulklasse je eine Veranstaltung subventioniert.

»Das Interesse an Umwelt-, Natur- und Klimaschutz nimmt gerade jetzt Dank Greta Thunberg stark zu. Darüber freue ich mich sehr«, sagt Marlitt Quistorf mit Blick auf die schwedische Umweltaktivistin. Seit 22 Jahren wohnt die gebürtige Hamburgerin, die in Osnabrück Landschaftsplanung mit Schwerpunkt Landschaftsentwicklung studiert hat, mit ihrem Mann und den drei Kindern in Reinbek. Bereits im Studium war sie im Rahmen von Umweltbildungsveranstaltungen an Grundschulen und Kindertagesstätten aktiv. »Mein Professor weckte den Wunsch in mir, Kindern meine große Liebe zur Natur zu vermitteln. In Reinbek gab ich zunächst Kurse an der Volkshochschule für die ganze Familie rund um Wald, Wiese und Wasser und arbeitete mit Kindern auf einem pädagogischen Bauernhof«, erzählt die 50-jährige.

Die Liebe zur Natur und der Wunsch, sie zu schützen und zu erhalten eint beide Frauen. Das Feedback der Lehrer, die begeisterten Kinder, das treibt sie an. »Wir sind ein eingespieltes Team«, sagen die Reinbekerinnen, die sich nicht nur in Bezug auf die naturpädagogische Arbeit gut verstehen. »Das bereichert unsere Zusammenarbeit immer wieder.« 

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